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Alleine reisen: Übernachten im Hostel mit Ü30?

Ü30im Hostel

Mehrbettzimmer, laute Partynächte, Gemeinschaftsbäder –  Jedem, dem ich von meinem Vorhaben im Hostel zu übernachten erzähle sieht mich zunächst entgeistert und mit hochgezogenen Augenbrauen an. Natürlich frage auch ich mich , ob ich mir das mit Ü30 wirklich noch antun möchte? Bin ich vielleicht sogar zu alt fürs Hostel? Werde ich mich dort überhaupt wohlfühlen?

Ich wollte es ausprobieren. Für den Fall der Fälle sah mein Plan B einfach vor ein günstiges Einzelzimmer in einem der vielen Guesthouses zu buchen. Also stürzte ich mich mit positiven Gedanken ins Abenteuer Hostel!

Mehrbettzimmer

Ich habe immer in Dorms mit maximal 6 Betten übernachtet. Bei mehr als 6 Betten war ich mir nicht sicher, ob es nicht doch zu laut und zu unruhig werden würde. In Thailand waren sogar nicht immer alle Betten belegt, so dass es eigentlich trotz Highseason nie laut im Zimmer war.
Sofern möglich, habe ich immer reine Frauen-Dorms gebucht. Erst in Bangkok habe ich dann, absolut unbeabsichtigt, in einem gemischten Schlafsaal genächtigt. Leider musste ich hier feststellen, dass Männer eindeutig häufiger schnarchen als Frauen. An dieser Stelle daher ein Hoch auf meine Ohropax!

Die meisten Dorms sind mit Hochbetten ausgestattet. Die “Luxusvariante” bietet oft zusätzlich einen Vorhang, den man bei Bedarf schließen kann. So kann man etwas mehr Privatsphäre genießen und es fühlt sich direkt viel heimeliger an. Zudem ist so ein Vorhang auch ein super Schutz vor der ungeliebten Klimaanlage, die man nicht in jedem Hostel individuell steuern kann. Eine Präferenz ob ich lieber oben oder unten im Hochbett schlafe  habe ich nicht. Unten ist es oft einfach praktischer, da man nicht immer das Bett herunter steigen muss, hat man etwas im Rucksack / Schließfach vergessen. Hilfreich im Mehrbettzimmer ist in jedem Fall eine Stirnlampe. Stolperfallen werden gesehen und die anderen Mitbewohner freuen sich über die Rücksichtnahme, wenn man nachts nicht die Deckenbeleuchtung einschaltet.

Gemeinschaftsbad

Die Bäder haben mich am meisten überrascht. Sauber, sehr modern und oft auch sehr stylisch. In Krabi standen sogar jeden Tag frischen Blumen an den Waschbecken.
Dusche und WC waren immer in Einzelkabinen, so dass man tatsächlich immer ungestört duschen oder zur Toilette gehen konnte. Auch befürchtetes Schlange stehen o.ä. blieb aus. Zeitweise kam es vor, dass am späten Abend das Klopapier leer war. Mich persönlich hat das aber jetzt nicht wirklich gestört. Nimmt man einfach eigenes Klopapier mit und alles ist prima.

Manchmal war das Duschen eine kleine Herausforderung. Oft gibt es in den Duschkabinen nur einen Haken an dem dann das komplette Duschequipment inkl. Handtuch und Wechselklamotten gehängt werden muss. Zeigt man hier kein Improvisationstalent sind das Ergebnis oft nasse Klamotten. Ist mir selbst aber nur einmal passiert 🙂

Leute treffen & Partys

“Hi, I´m Yvi” Der wohl wichtigste Satz im Hostel . Er ist Türöffner und der Einstieg in das ein oder andere interessante Gespräch oder sogar der Beginn eines langen Abends. By the way: Ich liebe die Aussprache meines Namens auf Englisch 😀

Ich persönlich bin nicht der Typ, der direkt auf Menschen zu geht. Ich brauche meist immer erst etwas um mich in die Situation einzufinden. Ich beobachte zunächst, bin nach einiger Zeit aber mittendrin und finde dann auch nicht unbedingt immer ein zeitiges Ende. Ich leb ja schließlich nur einmal 🙂

In den Gemeinschaftsräumen habe ich mich oft einfach mit an den Tisch gesetzt, Fotos sortiert oder einfach etwas gelesen. Irgendwann habe ich mich dann in ein laufendes Gespräch eingeklingt oder wurde auch einfach angesprochen. Und schon läuft das Ganze. Oft verabredete man sich dann zu Unternehmungen oder zum gemeinsamen Essen, bevor dann einige Tage später wieder jeder seinen eigenen Weg geht. Kurzweilig und intensiv, wenn auch immer mit dem gleichen Einstiegssatz. Für mich eine absolut spannende Erfahrung.

Privatsphäre

Die gibt es im Hostel definitiv nicht. Natürlich gibt es immer wieder mal die Möglichkeit sich an ruhigere Orte im Hostel zurück zu ziehen oder sich in seinem Bett zu verkriechen. Aber einen Anspruch auf Ruhe und Privatsphäre hat man nicht. Wie schon beschrieben ermöglichen die Vorhänge so etwas wie Privatsphäre, aber richtig allein ist man tatsächlich nie.  Über diese Gegebenheit sollte man sich vor der Übernachtung im Hostel auf jeden Fall im Klaren sein.

Ich bin ein Typ, ich brauche zum einschlafen keine absolute Ruhe. Wenn ich müde bin, dann schlafe ich, egal ob im Nachbarraum noch gefeiert wird oder nicht. Gegen Schnarcher habe ich mich einfach mit Ohropax gewappnet, der Rest war mir relativ egal. Allerdings hatte ich auf der gesamten Reise nie rücksichtslose Mitbewohner, die nachts das Deckenlicht einschalteten oder gröhlend ins Zimmer kamen.. Jeder hat immer brav sein Handy oder die Stirnlampe benutzt und auf die anderen Rücksicht genommen. Vielleicht hatte ich da aber auch einfach Glück.

Ich wollte Anschluss bekommen und war mir im  klaren darüber, dass ich tagsüber am Strand oder sonst wie unterwegs sein würde und somit nur einen Platz zum schlafen brauchen würde. Gepaart mit den meist sehr günstigen Preisen (ca. 8-15 €)  für eine Übernachtung konnte ich dafür auch gut mal auf ein wenig Privatsphäre verzichten.

Sicherheit im Hostel

Vorweg gesagt: Ich gehöre zu den Schissern, daher habe ich mir im Vorfeld auch so einige Gedanken über meine Sicherheit und die meiner Wertsachen gemacht. Mir gab die lokale SIM-Karte Sicherheit. Im Notfall konnte ich so immer jemanden erreichen. (Theoretisch! Im Norden von Thailand versagte  sogar das lokale Mobilfunknetz.) Im Hostel selbst habe ich mich nie unsicher gefühlt. Und auswärts behielt ich z.B. mein Getränk immer im Auge und kleidete mich angemessen. Ich war einfach achtsam und mein Bauchgefühl hat sich als  guter Ratgeber erwiesen.

Bzgl. der Wertsachen habe ich schon daheim überlegt, welchen Verlust ich verkraften könnte und habe dementsprechend gepackt. Wirklich schlimm wäre nur der Verlust meiner Kamera gewesen. Aber ohne die kann ich ja nun wirklich nicht reisen, die muss immer mit!

Im Hostel habe ich meine Wertsachen meist mit ins Bett genommen, bzw. sofern vorhanden im Schließfach eingesperrt. Hierzu empfiehlt es sich immer ein kleines Schloss dabei zu haben, denn nicht jedes Hostel bietet als Standard abschließbare Schränke.

Fazit

Rückblickend waren meine Übernachtungen im Hostel alle prima. Die sanitären Anlagen waren sogar oft sauberer als in manchem Hotel. Spontan fällt mir tatsächlich nichts ein, was mich wirklich gestört hat. Wichtig ist denke ich einfach die richtige Einstellung und sich selbst etwas zu kennen. Kannst Du z.B. wirklich nur bei absoluter Ruhe schlafen oder legst sehr viel Wert auf Privatsphäre, dann ist ein Hostelaufenthalt mit Sicherheit nichts für Dich.

Für mich als Alleinreisende war es super. Ich hab so viele neue und interessante Menschen getroffen, das hat einfach Spaß gemacht. Ich war nie allein und es gab immer jemanden, mit dem ich etwas unternehmen konnte oder abends ein kaltes Bier getrunken habe. Und war mir mal nach ein wenig Ruhe, dann hab ich mich einfach in mein Bett verkrochen oder mir eine andere ruhige Ecke gesucht und das Treiben einfach nur aus der Ferne beobachtet.  Ich muss aber auch zugeben, dass drei Wochen Hostel am Stück auch nichts für mich gewesen wären. Zwischendrin war ich immer froh über ein wenig Zeit und Ruhe nur für mich. Der Mix aus Beidem hat es für mich einfach ausgemacht.

Ach so … und was das Alter angeht. Das interessiert niemanden! Viel wichtiger ist es gemeinsam eine super Zeit zu haben.

Für meine nächste Reise habe ich bereits wieder einige Hostelübernachtungen gebucht und ich freue mich schon jetzt darauf!

Wie sieht es bei dir aus? Hast Du auch so positive Erfahrungen im Hostel gemacht?

 

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5 Kommentare

  1. Meine “Hostel-Erfahrung” heißt Bundeswehr-Grundausbildung. Drei Monate auf einer 8-Mann-Stube reichen mir fürs Leben. Ich brauche und will definitiv keine Mehrbett-Zimmer mehr. Denn einer schnarcht, der nächste knirscht mit den Zähnen und ein Dritter labert im Schlaf. Daher will ich nur noch dort übernachten, wo ich die Bude allein – oder mit einer Partnerin – habe. Was z.B. Jugendherbergen nicht ausschließt. Den dort kann man auch ein Zimmer mit Einzelbelegung bekommen. Und Anschluss findet man auch, sofern man will. Aber man hat eben auch die Bude für sich allein, wenn man seine Ruhe haben möchte. Und das ist mir sehr wichtig auf reisen…

    • Zum Glück gibt es da für jeden die passende Unterkunft, so dass sich auch jeder wohlfühlen kann auf Reisen. Mir hat’s im Hostel gefallen. Jeder Jeck ist eben anders 😉

  2. Richtig. Und ich kann für mich nur sagen, dass ich seit der Zeit beim Bund keine Lust an Mehrbett-Zimmern mehr habe.
    Es soll abwr jeder seine Unterkunft wählen, wie es ihm oder ihr beliebt. Da schließe ich Hostels nicht aus. Außer für mich persönlich. Denn Du hast vollkommen recht: “Jede Jeck ist anders!”

  3. Hey Yvi,

    vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht.
    Ich muss zugeben, ich habe bis auf die Zeit der Klassenfahrten bisher nie wieder im Hostel, geschweige denn im Mehrbettzimmer übernachtet. Für mich persönlich ist das nichts, ich brauche meine Privatsphäre und bin in diesem Sinne ein Sicherheitsfanatiker. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es eine wunderbare Möglichkeit ist, um auf Reisen Leute kennen zulernen. Sei froh, dass du einen tiefen Schlaf hast, ich wär wahrscheinlich bei jedem Rumdrehen des Unter- oder Über-mir-Schlafenden wach. Wobei du die Ohropax sicher niemals zuhause vergessen dürftest, oder? 😉

    Viele Grüße,
    Tanja

    • Ich glaube, wäre ich nicht alleine gereist, hätte ich ein Hostel nie ausprobiert. Mir ging es darum schnell und unkompliziert Leute kennenzulernen und das hat wunderbar funktioniert. Bzgl. der Ohropax wirst du lachen…ich habe diese nur ganze 2x getragen 🙂

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