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#callAlex …

„You have been selected to attend SocialSpace“ – Freudentanz und Freudenschreie. So begann mein Abenteuer, wie Ihr bereits wisst.

Seit Mai verfolge ich die Mission „Blue Dot“. Hier begann am 28. Mai 2014 für den deutschen Astronauten Alexander Gerst sein sechsmonatiger Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS.

Bereits seit Beginn der Mission teilt Alexander Gerst beeindruckende Bilder von der Erde, dem Weltraum und schildert seine ganz persönlichen Eindrücke und Gedanken dazu in diversen sozialen Netzwerken.

In diesem Zusammenhang rief die ESA (European Space Agency) in Kooperation mit einem großen sozialen Netzwerk dazu auf, eine persönliche Frage an Alexander Gerst zu formulieren. Aus allen Einsendungen wurden dann 40 Personen exklusiv zum ersten SocialSpace-Event – #callAlex – am 22. August 2014 nach Köln eingeladen.

Das Highlight dieser Veranstaltung: Ein live Video-Inflight-Call zur ISS, in dem 10 Teilnehmer die Möglichkeit bekamen ihre Frage persönlich an @Astro_Alex zu stellen. Neben dem Live-Interview würde u.a. auch das EAC (European Astronaut Centre), der Heimatstandort aller ESA-Astronauten, vorgestellt werden. Und ich war ausgewählt dabei zu sein – yes!

Super nervös und aufgeregt machte ich mich also am 22. August auf den Weg zur ESA. Vor mir lag ein straffes, aber hoch interessantes Programm.

Zuerst stand die Besichtigung des :evihab, dem Forschungsinstitut der ESA auf dem Programm. Als erster Astronaut überhaupt wird hier Alexander Gerst nach seiner Rückkehr betreut und rehabilitiert.

Neben dem Biologie-, Physiologie-, Psychologie- und Schlaflabor, hat mich besonders die Kurzarmzentrifuge beeindruckt. Diese bietet den Wissenschaftlern die Möglichkeit, die Auswirkung von Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper zu erforschen. Wußten Sie   z. B., dass man nach einer „Fahrt“ in der Zentrifuge kein Schwindelgefühl erlebt? Da der Kopf des Probanden im Mittelpunkt der Zentrifuge fixiert ist, nimmt unser Gehirn die Rotation gar nicht wahr.
Auch werden die Auswirkungen von Isolation auf den Menschen erforscht. Falls Ihr mal 60-80 Tage nix vor habt könnt ihr euch übrigens als Proband bewerben. Bezahlt wird auch nicht schlecht…aber dafür heisst u.a. rumliegen und das mit 6 Grad Neigungswinkel nach unten.  Diese Lage simuliert wohl am besten die Einwirkungen von Schwerelosigkeit auf den Körper. Sogar geduscht werden muss in dieser Position.
Zusätzlich gibt es auch noch die Möglichkeit der Atmosphärensteuerung, d.h. Temperatur, Lichtverhältnisse, Sauerstoff-und Feuchtigkeitsgehalt können entsprechend reguliert werden.
Die Auswahl der Probanden erfolgt nach physiologischen und psychologischen Aspekten und bisher gab es wohl noch keinen Drop-Out, sprich jemanden, der das Experiment abbrechen musste. Aber für mich wär das trotzdem nix 🙂
Das :envihab ist also irgendwie eine kleine Wundertüte mit vielen Möglichkeiten die Auswirkungen von Raumfahrt und Schwerelosigkeit auf den Menschen zu erforschen und damit auch Rückschlüsse zur Verbesserung des Lebens auf der Erde zu ziehen.

Im Anschluss an die Besichtigung stand uns Frank de Winne, Head of EAC, für Fragen zur Verfügung.
Frank de Winne war 2009 selbst auf der ISS. Es war so beeindruckend, mit wie viel Leidenschaft er von seiner Mission und seinen Erfahrungen im All berichtet hat. Er würde sofort wieder ins All fliegen, allerdings wäre es toll, wenn er an den Wochenenden wieder heim kommen könne. Erst durch seinen Flug ins All sei ihm bewusst geworden, welche Dinge er wirklich braucht im Leben und wie wertvoll die Menschen sind, die man liebt. Die hat er nämlich am meisten während seines Aufenthaltes auf der ISS vermisst.
Ihm ist wichtig den Menschen auf der Erde folgendes mit auf den Weg geben: „Erst aus dem All sieht man, wie zerbrechlich und klein die Erde ist. Der blaue Planet ist während einer begrenzten Zeit unser Raumschiff für die Reise durch das Universum und wir müssen alles in unser Macht stehende tun um unsere Erde zu schützen.“
Übrigens hat Frank de Winne Höhenangst. Auf dem schiefen Turm von Pisa konnte er seinerzeit kaum nach unten schauen und war sehr ängstlich, aber auf der ISS, sei es für Ihn mit das schönste gewesen aus dem „Fenster“ zu schauen. Seltsam, was? 🙂

Ebenfalls mit Fragen löchern durften wir zwei Mitarbeiter von Eurocom. Der Bereich Eurocom ist das Verbindungsstück zwischen ISS und Erde. Die Mitarbeiter dort sorgen dafür, dass der Zeitplan eingehalten wird und betreuen die Astronauten während der Tagzeiten u.a. bei anstehenden Experimenten im Columbusmodul. Während der übrigen Zeit ist das Columbus Control Center in Oberpfaffenhofen für die Kommunikation mit der Besatzung verantwortlich.
Die Mitarbeiter von Eurocom erläuterten auch einige interessante Fakten über das Leben auf der ISS:
Alex arbeitet 6 Stunden am Tag, 2 Stunden davon verbringt er mit Fitnesstraining um dem Muskelabbau entgegen zu wirken, schlafen darf er genau 8,5 Stunden pro Nacht, am Wochenende steht Reine machen und Freizeit auf dem Programm. Täglich telefonieren die Astronauten mit ihrer Familie und Freunden. Einmal wöchentlich gibt es eine „Medical Conference“, in der der Gesundheitszustand der Besatzungsmitglieder geprüft und besprochen wird. Verbunden mit den durchzuführenden Forschungsexperimenten wirklich ein sehr strenges und durchorganisiertes Programm.

Und dann war es endlich soweit: Time to call Alex!

Nachdem Missioncontrol in Houston die Verbindung zur ISS hergestellt hatte, wurden wir, bzw. das ESC hinzugeschaltet: „Here is ESC, station how can you hear me?“ …Stille…dann ein Knacken… „This is Station, I can hear you loud and clear“ und da erschien er dann auch auf der Leinwand. Ein Raunen ging durch die Reihen, Applaus …einfach Wahnsinn mit jemandem zu sprechen, der ca. 400km über uns die Erde umkreist. Ein Moment, der mir noch immer eine Gänsehaut bereitet. Ganze 20 Minuten antwortete er auf die von uns gestellten Fragen … es ist wohl für jeden nachvollziehbar, dass diese 20 Minuten wie im Flug vergangen sind 🙂  Die Aufzeichnung vom Livestream gibt es hier.

Zum Abschluss durften wir das ESA Trainingszentrum besichtigen. Hier werden alle Astronauten, an den in Europa entwickelten Modulen, geschult und so auf ihren Weltraumeinsatz vorbereitet. Sogar das Innere des Columbusmoduls und des ATV (Automated Transfer Vehicle/Weltraumfrachter) konnten wir uns anschauen. Während wir also eine Menge Spaß beim Fotografieren und Fragen stellen hatten, trainieren dort normalerweise Astronauten für Ihre Einsatz im All – irgendwie unvorstellbar!

Auch heute, einige Zeit nach #callAlex, befinde ich mich immer noch im „Wow-Modus“ und bin unglaublich dankbar, dass ich bei dieser Veranstaltung dabei sein durfte.
Nun bin ich gespannt auf den 10. November 2014, denn dann wird Alex wieder zur Erde zurück kehren und ich habe zu diesem Zeitpunkt sogar noch Urlaub. Und wer weiß, vielleicht habe ich dann noch einmal die Möglichkeit bei einem Socialspace-Event dabei zu sein 🙂

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