Köln
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Der Butzweilerhof – das Luftkreuz des Westens

Wusstet Ihr, dass der Traum vom Fliegen ganz eng mit Köln verbunden ist?
Mir zumindest war die große Bedeutung des Butzweilerhofes bis vor kurzem nicht wirklich bewusst. Im Rahmen der Expedition Colonia führt uns Dieter Kuhse von der Stiftung Butzweilerhof über das Gelände. Er selbst ist ein echtes Butz-Kind und erzählt mit viel Leidenschaft nicht nur von den umfassenden geschichtlichen Hintergründen sondern auch die ein oder andere persönliche Anekdote. Nach dem Flughafen Tempelhof, ist der Butzweilerhof die größte erhaltene Flughafenanlage der 30er Jahre in Deutschland. Und schon damals war seine Lage etwas ganz besonderes. Während die meisten Flughäfen außerhalb der Städte gebaut wurden, führte in Köln die Flughafenstraße direkt zum Hauptbahnhof, so dass man innerhalb kürzester Zeit nach Ankunft im Zentrum war.  Was mir als Kölnerin besonders gefallen hat: Trat man aus der Ankunftshalle heraus, fiel der Blick auf die Spitzen des Kölner Doms. Die Kölner liebten also schon damals ihre Stadt auf eine ganz besondere Art und Weise 🙂

Offiziell beginnt die zivile Luftfahrt in Köln erst im Jahre 1926 mit der Gründung des Flughafens Butzweilerhof. Doch bereits Jahre zuvor gibt es in Köln fliegerische Aktivitäten. 1906 wird der „Cölner Club für Luftschiffahrt“, der noch heute unter dem Namen „Kölner Klub für Luftsport“ besteht, gegründet. 1909 findet die erste Flugwoche auf der heutigen Pferderennbahn in Weidenpesch statt. Im selben Jahr errichtet man auf dem Flughafengelände eine Zeppelinhalle in der bis zu drei Luftschiffe Platz haben und es landet das seinerzeit größte Luftschiff der Zeppelin LZ 5 in Köln. Nicht nur in Köln entwickelt sich die Fliegerei weiter. Um mit den europäischen Nachbarn mithalten zu können, eröffnet man im Jahre 1912 eine Fliegerstation mit integrierter Flugschule am Butzweilerhof. Der wohl bekannteste Absolvent ist Manfred von Richthofen, später auch bekannt als der „Rote Baron“.In den Jahren bis 1914 erreicht die Luftfahrt mit dem „Prinz-Heinrich-Flug“ ihren vorläufigen Höhepunkt. Nach dem Zuverlässigkeitswettbewerb für deutsche Flugzeuge dient der Flughafen Butzweilerhof im Ersten Weltkrieg vorwiegend militärischen Zwecken.

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges verboten die Siegermächte zunächst die  Luftfahrt in Deutschland. Mit Auslaufen des Versailler Vertrages, fanden im Jahr 1926 erste Überlegungen zur Gründung eines Flughafens in Köln statt. Die Gründung der Lufthansa am 06. Januar 1926 sowie der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer tragen maßgeblich dazu bei, dass Köln das „Luftkreuz des Westens“ wird. Bis zum Jahr 1930 sind von Köln aus 66 Flughäfen zu erreichen und  es landen täglich bis zu 50 Flugzeuge am Butzweilerhof. Das steigende Verkehrsaufkommen macht einen Ausbau des Flughafens unabdingbar. Aufgrund der Wirtschaftskriese wurde allerdings erst einige Jahre später mit dem Bau begonnen. Die feierliche Eröffnung der neuen Gebäude erfolgte dann im Jahr 1936. An dieser Stelle eine interessante Begebenheit zur damaligen „Gaststätte“, die sich linker Hand des Hauptportals befindet.  Seinerzeit durften nur Passagiere mit einem gültigen Flugschein die An/Abflughalle betreten. Für alle anderen Personen wurde aus diesem Grund die Gaststätte erschaffen. Sie war damals Treffpunkt und Wartebereich für alle Nicht-Flugreisenden.

In den folgenden Jahren landen alle gängigen Passagiermaschinen in Köln, u.a. auch die bekannte JU 52. Mit 25 % ausländischen Flugverbindungen platziert Köln sich als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte. Nur drei Jahre später wird der Flughafen vom Militär beschlagnahmt und die zivile Luftfahrt damit eingestellt. Während des zweiten Weltkrieges hat er keine große strategische Bedeutung.1945 ist Köln fast vollständig zerstört, nur der Flughafen Butzweilerhof, der während des Krieges als britische Kaserne genutzt wird,  übersteht den Krieg fast unbeschädigt. Auch die Teilhaber der Firma Glanzstoff waren britischer Herkunft, so dass man annimmt, dass genau aus diesem Grund das Firmengelände und somit auch der Butzweilerhof von Bombeneinschlägen während des Krieges  größten Teils verschont blieben.In den folgenden zwei Jahrzehnten wird der Flughafen von der Bundeswehr genutzt. Im Rahmen dieser Nutzung bleiben die ursprünglichen Gebäude zwar erhalten, aber es entstehen auch viele neue Gebäude, Schuppen sowie ein Heizwerk. Lediglich das ehemalige Rollfeld bleibt frei von jeglicher Bebauung. 1988 werden dann alle Flughafengebäude sowie auch das Rollfeld unter Denkmalschutz gestellt.

Vor kurzem wurden 50% des Rollfeldes vom Denkmalschutz freigegeben. Hier wird eine Grünanlage entstehen, deren Gehwege die damaligen Flugverbindungen darstellen werden.Normalerweise begeistern mich solche historische Daten und Zusammenhänge nicht, aber die Geschichte des Butzweilerhofs hat mich mehr als begeistert. Es ist beeindruckend, so ein geschichtsträchtiges Gelände mitten in einem heutigen Industrie- und Wohngebiet zu finden.

Zusätzliche Infos zur Luftfahrt in Köln. Zu der Führung wurde ich von der Stiftung Butzweilerhof im Rahmen der Expedition Colonia eingeladen. Herzlichen Dank hierfür! Meine Meinung bleibt davon wie immer unberührt.

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7 Kommentare

  1. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas in Köln gibt, muss ich gestehen. Ich mag solche alten Zeitzeugen der Geschichte. Kann man auch „öffentliche“ Führungen buchen oder den Butzweilerhof so besuchen?
    Danke für die Fotos und schöne Geschichte.
    LG Tanja

    • Führungen werden immer mal wieder angeboten. Schau einfach mal auf der Homepage der Stiftung nach. Außerdem kann man die Abflughalle auch für Events buchen. Dürfte für Dich evtl. auch interessant sein 🙂

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