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Der Rothaarsteig – 3. und 4. Etappe von Winterberg zum Rhein-Weser-Turm

Es wird langsam Herbst. Die Blätter verfärben sich, die Temperaturen werden kühler und das Wetter an sich unbeständiger.

Wir haben für dieses Wochenende die 3. und 4. Etappe des Rothaarsteigs geplant. Die ganze Woche schon hat es bereits geregnet und so sind Regenhose und – jacke zur Sicherheit schon im Rucksack verstaut. Die Wetterapp zeigt am Freitag eine Regenwahrscheinlichkeit von 50%. Nun gut, die Hoffnung stirbt zuletzt, so stellen wir den Wecker für Samstag und gehen guter Dinge ins Bett. 

3. Etappe – von Winterberg nach Schanze

Guten Morgen! Es ist früh für einen Samstag, aber ich freue mich auf die zwei Wandertage im Sauerland. Typisch für einen Herbstmorgen ist es auch heute noch sehr nebelig. Schon auf der Fahrt zum Rhein-Weser-Turm, wo wir unser Auto parken, können wir kaum etwas um uns herum erkennen.

 

Unsere letzte Etappe auf dem Rothaarsteig haben wir in Winterbeg beendet. Heute jedoch starten wir bereits ein Stückchen weiter auf dem Kahlen Asten. Durch einen Zufall sparen wir uns so knappe 5 km.

Das Naturschutzgebiet Kahler Asten

Der Kahlen Asten ist der dritthöchste Berg des Rothaargebirges und ein bekanntes Wintersportgebiet.

Zudem liegt auf 825 m die Lennequelle. Sie ist damit die höchste Quelle in Nordwestdeutschland. Die Lenne fließt vom Kahlen Asten westlich Richtung Hagen, mündet dort in die Ruhr und fließt dann auf ihrem weiteren Weg in den Rhein.

Was ich bisher nicht wußte: Der Kahle Asten ist auch ein Naturschutzgebiet. Auf seinem Nordhang hat sich im Laufe der Zeit eine Heidelandschaft entwickelt. Hier wachsen vorwiegend Preisel- und Heidelbeeren. Detaillierte Informationen zur Landschaft bietet der Heidelehrpfad oder auch das Informationszentrum im Aussichtsturm des Kahlen Astens.

Es ist immer noch neblig, als wir unsere heutige Etappe starten. Aber zumindest regnet es nicht und wir kommen sehr gut voran, da der Nebel nicht viele Fotomotive bietet.

Kurze Pause am Barfusspfad

Kurz vor Langewiese befindet sich ein Barfusspfad direkt am Rothaarsteig. Es ist bekannt, dass Barfusslaufen sehr gesund ist. Mit nackten Füßen über einen abwechslungsreichen Untergrund zu laufen, ist die einfachste Möglichkeit, die Fußreflexzonen zu masieren. Man sagt, so werde die   natürliche Immunfähigkeit des Körpers unterstützt.

Insgesamt gibt es 12 Stationen. Der Wanderer muss über Baustämme balancieren, über große Steine, Holzschnitzel und Kiesel gehen. Gestartet wird der Pfad mit Wassertreten im Kneippbecken. Hier befinden sich auch Spinde, um Schuhe und Taschen einzuschließen.

Langsam wird das Wetter besser…

Es ist kalt, daher probieren wir den Pfad nicht aus, sondern wandern nach einer kurzen Rast direkt weiter. Mittlerweile entdecken wir immer mal wieder blaue Stellen am Himmel und ebenfalls die Sonne blinzelt ab und an hervor. Wenn jetzt der Wind noch nachlässt, haben wir perfektes Wanderwetter.

Die weitere Route führt uns über den Grenzweg, der auf dem Kamm des Rothaargebirges verläuft. Der Weg stellt neben dem ehemaligen Grenzverlauf zwischen dem Sauerland und dem Wittgensteiner Land, auch die damalige Sprachgrenze zwischen Nieder- und Mitteldeutsch, dar. Heute markiert er die Stadtgrenze zwischen Winterberg und Schmallenberg. Uns beeindrucken auf dem Grenzweg besonders die vielen Weitsichten. Jede Etappe des Rothaarsteigs ist bisher landschaftlich anders und bietet somit eine Menge Abwechslung.

Unser nächstes Ziel heute ist die Hoheleyer Hütte. Hier kehren wir ein und essen eine Kleinigkeit. Die Hütte ist nicht sehr groß, rustikal eingerichtet und das Essen auf der Karte ist deftig, aber lecker. Sie liegt direkt am Rothaarsteig und von dort wandern wir nur noch ca. 1,5 Stunden bis Schanze – unserem Etappenziel für heute.

Weihnachtsbäume im Sauerland

Immer wieder sehen wir auf unserem Weg heute Tannenbäume mit bunten Wimpeln an der Spitze. Wir vermuten, dass es sich Weihnachtsbäume handeln muss und liegen damit genau richtig.

Die Tannen haben meist eine Standzeit von 8-10 Jahren. Sie sind Windschutz, Brutstätte und Lebensort für viele Pflanzen und Tiere.

Die Weihnachtsbaumkulturen (Felder mit einer großen Anzahl an Nadelbäumen) bieten  besonders Insekten einen hervorragenden Lebensraum. Hauptsächlich findet man Wildbienen, Falter, Marienkäfer und Mücken. Kein Wunder, dass sich auch Spinnen hier besonders wohl fühlen. Denn die Spinne mag Insekten und spannt ihr Netz gerne dort, wo sich viel essbares in ihr Netz verirrt. Die Weihnachtsbaumkulturen sind also quasi das Schlaraffenland der Spinne. Und  im Herbst sind sie ein Geheimtipp für Fotografen. Wer kennt sie nicht, die Bilder von mit Tau behafteten Spinnennetzen an einem Herbstmorgen.

Eine zimmerhohe Nordmanntanne trägt übrigens 268.000 Nadeln. Zudem filtert eine 1 ha große Weihnachtsbaumkultur in 10 Jahren 230.000 Kubikmeter Luft und speichert 18.000 l Wasser. Beeindruckend, oder?

 

Über den Albrechtsplatz wandern wir weiter Richtung Heidestock, wo wir dann auf die Talvariante des Rothaarsteiges abbiegen, da unsere Unterkunft heute im kleinen Örtchen Schanze liegt. Da wir gut vorangekommen sind, checken wir bereits am frühen Nachmittag im Landschaftsgasthaus Bräutigam ein. Nach einem kurzen Nickerchen genießen wir das wirklich sehr schmackhafte Essen und lassen den Abend in der Schänke ausklingen. Besonders empfehlen können wir den Waldbeergeist. Selten habe ich einen so leckeren und milden Schnaps getrunken.

Die heutige Etappe empfand ich nicht als sehr anstrengend, da kaum Höhenmeter überwunden werden mussten. Besonders gefallen haben mir heute die vielen Aussichten über das Sauerland.

 

4. Etappe – von Schanze zum Rhein-Weser-Turm

Unser zweiter Wandertag beginnt nicht auf dem Rothaarsteig. Da wir uns den Kyrill-Pfad anschauen möchten und über die Hängebrücke gehen wollen, nehmen wir von unserer Unterkunft in Schanze einen Wanderweg, der uns wieder auf den Kamm des Rothaarsteigs führt (Kennzeichnung mit SZ4 / SZ5 ) . Ebenfalls sehen wir so auch drei Skulpturen des Waldskulpturen Weges.

Allerdings geht es logischerweise erst einmal wieder bergauf. Wir müssen ja zurück auf den Kamm. Der Freund und ich haben schon einen Insiderwitz dazu: „Wo müssen wir lang?“ – „Da wo es bergauf geht“ 😀 Das hört sich jetzt allerdings schlimmer an, als es tatsächlich ist. Alle Steigungen sind wirklich machbar – für jeden. Irgendwie müssen wir beide bei diesem Witz aber immer lachen und das motiviert wiederum für die bevorstehenden Anstiege.

Es beginnt zu regnen. Da wir mit dem Anziehen unserer Regenklamotten beschäftigt sind, habe ich keine Bilder der Skulpturen. Aber auf der o.g. Homepage gibt es ausführliche Infos zu dem Projekt und den einzelnen Skulpturen.

An Kühhude vorbei führt uns der Rothaarsteig weiter in Richtung Hängebrücke. Hier zeigt sich dann, dass auch in Erwachsenen noch Kinder stecken. Der Freund spurtet auf die Brücke, fängt an zu hüpfen und hat sichtlich eine Menge Spaß. Als er allerdings wieder festen Boden unter den Füßen hat, wird ihm leicht schwindelig…tjo, da merkt man dann wohl doch das eigene Alter 😉 Aber egal, Spaß hatten wir beide trotzdem.

Die Hängebrücke am Rothaarsteig

Manchmal sind die kleinen Dinge ganz groß

Im Vergleich zum gestrigen Tag, finde ich die Strecke heute etwas fad. Es geht wieder viel durch den Wald und auch das Wetter könnte besser sein. Gegen Mittag klart es zum Glück immer mehr auf und bleibt dann auch trocken. Überall am Wegesrand sehe ich Pilze. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, wie schön Pilze sein können! Generell, gibt es heute am Boden viel für mich zu entdecken: Pilze, Käfer, von Tau besetzte Spinnenetze. Ich kann die Kamera kaum weglegen – genial!

 

Pünktlich als sich der Hunger bei uns meldet, erreichen wir den Schäferhof in Jagdhaus.  Ich entscheide mich für eine Brotzeit mit rohem Schinken und der Freund nimmt eine Suppe. Der ehemalige Bauernhof legt viel wert auf traditionelle Küche und regionale Produkte. Hat mir sehr, sehr gut gefallen und das Essen hat uns beiden sehr gemundet.

Einfahrt zum Schäferhof in Jagdhaus

Das besondere an der heutigen  Etappe ist der Wisent-Wald. Hierbei handelt es sich um ein Projekt zur Erhaltung und Wiederansiedlung dieser bedrohten Tiere. In einem bewirtschafteten Wald wurden in freier Wildbahn lebende Wisente wieder angesiedelt. Dies ist einzigartig in Europa. Die Herde soll sich so in den kommenden Jahren auf natürliche Weise auf bis zu 25 Tiere ausweiten.

Da die Wahrscheinlichkeit für Wanderer sehr gering ist die Herde in freier Wildbahn zu sehen, wurde mit dem Wisent-Wildnis eine Möglichkeit geschaffen, die Könige des Waldes hautnah zu beobachten. Hier lebt auf einem 20 ha großen Gebiet eine zweite Herde und die Wahrscheinlichkeit ist so viel größer die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können.

 

Am Nachmittag ist die 20 km Marke geschafft und irgendwie zieht sich die restliche Strecke. Generell haben wir festgestellt, dass die 20 km eine gute Entfernung für uns sind. Alles darüber hinaus erfordert eine besondere Motivation und noch mehr Durchhaltevermögen. Aber Jammern nütz ja nix und es ist nicht mehr weit bis zum Rhein-Weser Turm. Also nochmal alle Kräfte mobilisieren und weiter wandern!

Wir sind da – Chacka! Ankommen ist schon immer wieder ein einzigartiges Gefühl. Die heutige Etappe war etwas anspruchsvoller, da wir insgesamt eine längere Strecke und mehr Höhenmeter als gestern bewältigen mussten. Zusammenfassend waren diese beiden Etappen aber sehr entspannt zu wandern. Lediglich das Wetter hätte etwas besser sein können. Aber darauf haben wir ja leider keinen Einfluss.

Die heutige Aussichtsplattform des Rhein-Weser-Turms wurde im zweiten Weltkrieg als militärischer Beobachtungsposten genutzt und damals durch Beschuss schwer beschädigt. Die letzten Rennovierungsarbeiten wurden im Jahr 2001 abgeschlossen. Seinen Namen verdankt der Turm übrigens seinem Standort auf der Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Heute lässt sich bei guten Wetter ein schöner Panoramaausblick genießen.

 

Wir haben unser Ziel erreich: Der Rhein-Weser-Turm

Es stehen jetzt noch vier weitere Etappen des Rothaarsteiges aus. Diese werden wir wahrscheinlich erst im neuen Jahr wandern können. Vielleicht sogar in Begleitung eines Rangers und mit etwas Schnee. Seid gespannt!

Hast Du auch Lust auf diese Etappen des Rothaarsteiges zu wandern? Die 3. Etappe von Winterberg nach Schanze und die 4. Etappe von Schanze zum Rhein-Weser-Turm findest Du bei Komoot.

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Zu der Wanderung  wurde ich vom Rothaarsteig. e.V.  eingeladen, herzlichen Dank dafür. Die dargestellte Meinung bleibt natürlich meine eigene.

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2 Kommentare

    • Hallo Nat,

      Dankeschön! Der Rothaarsteig ist auch echt abwechslungsreich. Ich bin jetzt gespannt, was mich auf den kommenden Etappen erwartet.

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