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Der Ruhrtalradweg – in vier Etappen von Winterberg nach Duisburg (2/2)

Von ihrer Quelle in Winterberg fließt die Ruhr zunächst seicht und nicht wirklich groß durchs Sauerland und entwickelt sich auf ihrem Weg durch das Ruhrgebiet immer mehr zu einem fließenden Gewässer, bis sie schließlich bei Duisburg in den Rhein mündet. Mehr als 230 km habe ich die Ruhr auf ihrem Weg von Winterberg nach Duisburg begleitet.

Bereits auf den ersten beiden Etappen des RuhrtalRadweges war ich außerordentlich überrascht, wie grün es im Ruhrgebiet doch ist. Und auch auf den letzten beiden Etappen zeigt sich das Ruhrgebiet wieder von seiner schönsten Seite.

3. Etappe: von Herdecke nach Essen – 62 km

Heute werde ich durch die Sonne geweckt und auch die Wettervorhersage für den weiteren Tag verspricht frühlingshafte Temperaturen. Unser Weg heute führt von Herdecke über Witten, Hattingen bis nach Essen. Die Etappe ist abwechslungsreich und unterwegs gibt es eine Menge zu entdecken.

Bereits nach kurzer Fahrt halten wir am Ruhrviadukt – eine 30m hohe Eisenbahnbrücke mit 12 Rundbögen. Die Spiegelungen im Wasser machen sie zu einem wirklich tollen Fotomotiv.

Ruhrviadukt bei Herdecke

Ruhrviadukt bei Herdecke

Ganz besonders freue ich mich heute auf die Besichtigung des Industriemuseums Henrichshütte und die Hattinger Altstadt. Über Beides hatte ich im Vorfeld so viel positives gehört.

Zunächst heißt es aber noch ein paar Kilometer radeln. An der Burgruine Hardenstein setzen wir mit der Ruhrtalfähre über. Seit 1883 kann man an dieser Stelle übersetzen. Seinerzeit allerdings nur mit einem kleinen Ruderboot. Am anderen Ufer angekommen machen wir eine kurze Rast am idyllischen Schleusenwärterhäuschen mit der schönen Adresse: Insel 1.

Übersetzen mit der Ruhrtalfähre

Übersetzen mit der Ruhrtalfähre

Adresse des Schleusenwärterhäuschens: Insel 1 - da möchte ich auch gern wohnen!

Adresse des Schleusenwärterhäuschens: Insel 1 – da möchte ich auch gern wohnen!

Es geht weiter Richtung Hattingen. Das Industriemuseum Henrichshütte öffnet heute extra für uns. Das heißt: Fotos ohne durchs Bild laufende Menschen – yipiehhh! 150 Jahre sprühten hier die Funken. Es wurden Koks, Eisen und Stahl produziert und weiter verarbeitet. 1987 wurde dort dann der letzte Hochofen stillgelegt. Er ist heute der älteste noch erhaltene Hochofen im gesamte Ruhrgebiet. Mit einem gläsenden Aufzug fahren wir die 55m hinauf und können eine wahnsinns Aussicht genießen. Sehr beeindruckend!

Industriesmuseum Henrichshütte

Industriesmuseum Henrichshütte

Im Anschluss machen wir uns auf ins Zentrum von Hattingen. Die historische Altstadt ist besonders zu empfehlen. Das alte Rathaus, das Bügeleisenhaus oder der Malerwinkel mit den kleinen Fachwerkhäuschen und dem Blick auf den schiefen Kirchturm sind besonders schöne Fotomotive und auch die Cafes laden zum gemütlichen verweilen ein. Leider haben wir nur wenig Zeit, daher bleibt es bei einem kurzen Aufenthalt.

Fast zeitig zum Abendessen erreichen wir Essen. Hier lassen wir den Tag gemütlich, bei deftigem Essen und leckerem Kellerbier in der Rüttenscheider Hausbrauerei ausklingen.

Im Nachhinein hätte ich mir für diese Etappe etwas mehr an Zeit gewünscht. Gerade in Hattingen gibt es so viel zu entdecken und zu bestaunen. Diese Etappe würde ich daher bei einer Wiederholung mit weniger Kilometern planen. So bleibt genügend Zeit für die interessanten Dinge am Wegesrand.

4. Etappe: von Essen nach Duisburg – 47km

Heute ist es grau, ungemütlich und das erste Mal sieht es nach Regen aus. Mit knappen 50 km steht uns heute die kürzeste Etappe über Mülheim a.d. Ruhr und Oberhausen nach Duisburg bevor.

RuhrtalRadweg

Vorbei am Baldeneysee bis nach Mülheim können wir nochmal die in sattem grün strahlende Landschaft genießen. Als es unterwegs kurz anfängt zu tröpfeln machen wir eine kurze Pause, stärken uns mit einer Currywurst und warten ab, bis der Regen weiterzieht. Zu unserem Glück dauert dies nicht wirklich lange, so dass wir nach kurzer Zeit schon weiterradeln können.

Das Aquarius Wassermuseum in Mülheim a.d. Ruhr

Das Aquarius Wassermuseum in Mülheim a.d. Ruhr

Die Aussicht vom Wasserturm

Die Aussicht vom Wasserturm

Den nächsten Halt machen wir am Aquarius – Wassermuseum. Speicherte der Wasserturm früher noch bis zu 500.000 Liter Wasser in seinem Inneren,  bietet er heute neben einer tollen Aussicht, eine teilweise interaktive Ausstellung zum Thema Wasser.

Kurz vor der Ankunft an der Rheinorange gibt es für mich als Kölnerin ein ganz besonderes Fotomotiv. Wir passieren die Karl-Lehr-Brücke, die nach Ihrer Zerstörung im Jahr 1945 mit einem Teilstück der ebenfalls im Krieg zerstörten Hohenzollernbrücke wieder aufgebaut wurde. Selbst im Ruhrgebiet findet man also ein Stück Heimat 😉

Ein Stück Köln im Ruhrgebiet - die Karl-Lehr-Brücke

Ein Stück Köln im Ruhrgebiet – die Karl-Lehr-Brücke

Und dann sehe ich sie schon von weitem: die Rheinorange. Mein Tacho zeigt bei der Ankunft in Duisburg 256 gefahrene Kilometer an und es liegen vier Tage pures Radfahrvergnügen hinter mir. Ankommen ist so ein geiles Gefühl und diese persönliche Herausforderung geschafft zu haben ebenfalls.

Das Ziel ist erreich! Die Rheinorange in Duisburg

Das Ziel ist erreich! Die Rheinorange in Duisburg

Ich war bestimmt nicht das letzte Mal mehrere Tage mit dem Rad unterwegs. Auch wenn der Po oft auf den letzten Kilometern schmerzte und ich meist sehnlichst das nächste Etappenziel herbei sehnte, so hat der Spaß am Radfahren und der Umgebung definitiv überwogen. Wer lieber kleinere Tagesetappen fährt, der plant einfach 1-2 Tage mehr mit ein. Und bitte lasst Euch nicht von einem schlechten Wetterbericht beeinflussen – das Wetter wird meist immer anders als man denkt, bzw. es vorhergesagt ist 😉

Für mich selbst habe ich erneut festgestellt, wie gern ich die Bewegung, die Natur und das draussen sein mag. Auch wenn ich im Nachhinein echt ko war und etwas Zeit brauchte, die Kraftreserven wieder aufzufüllen, so hat es sich wirklich gelohnt – der RuhrtalRadweg gilt, meiner Meinung nach, zurecht als eine der abwechslungsreichsten Radrouten Deutschlands.

Anlässlich des 10 jährigen Bestehens des Ruhrtalradweges veranstaltete Ruhrtourismus eine Jubiläumsradtour, zu der ich eingeladen wurde. Die dargestellte Meinung bleibt natürlich meine eigene.

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5 Kommentare

    • Danke!
      Es war in der Tat anstrengend,aber machbar. Und bei der schönen Landschaft vergisst man die Andtrengung eh 🙂

  1. Angelika Stegmann sagt

    Danke für die schöne Reisebeschreibung, ich möchte die Radtour jetzt im August machen und bin schon gespannt. Allerdings werde ich etwas mehr Zeit einplanen.
    Gibt es noch besondere Tipps oder was sich nicht lohnt?
    Es wird keine geführte Tour und ich möchte auch die Zimmer nicht vorbestellen.
    Ist das realistisch oder jetzt in den Ferien zu überlaufen?

    Lieben Gruß
    Angelika

    • Hallo liebe Angelika,

      also Hattingen fand ich persönlich sehr schön. Da hätte ich gern etwas mehr Zeit gehabt. Schau einfach mal, was Dich persönlich auf der Strecke interessiert und plane ein wenig mehr Zeit ein. Ich denke, Du wirst immer einen Platz zum schlafen finden, auch in den Ferien. Erkundige Dich doch einfach mal vorab ob noch Unterkünfte frei sind und entscheide dann spontan vor Ort. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß und viele tolle Erlebnisse!

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