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Tatarstan: Ein Tempel, der eigentlich gar kein Tempel ist

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Die Reise nach Tatarstan hat sich relativ kurzfristig ergeben, so dass ich vor der Abreise lediglich einmal kurz Tante Google nach den Sehenswürdigkeiten Tatarstans befragt habe. Dabei ist mir der Tempel aller Religionen direkt ins Auge gefallen. Das bunte Bauwerk besteht unter anderem aus den typisch russischen und tatarischen Zwiebelkuppeln und ich freute mich bereits daheim auf ein paar schöne Fotos.

Über die Bedeutung des Baus machte ich mir keine großen Gedanken. Da Tatarstan bekannt für seine Toleranz ist, vermutete ich einfach eine religiöse Stätte, die mehrere Glaubensrichtungen unter einem Dach vereinte.

Jede Kuppel ist ein eigenes kleines Kunstwerk

Jede Kuppel ist ein eigenes kleines Kunstwerk

Nur eine kurze Autofahrt von Kasan, der Hauptstadt Tatarstans, entfernt ragt der Tempel aller Religionen plötzlich aus der tristen Landschaft hervor. Umgeben von Datschen, liegt er direkt an einer Straße am Ufer der Wolga. Bis auf die vorbeiratternden Lastwagen ist es hier sehr ruhig. Außer uns gibt es keine anderen Touristen, lediglich ein paar Bauarbeiter die an den Kuppeln des Tempels arbeiten. Das hätte ich so nicht erwartet, aber es gefällt mir. Auf den bunten Kuppeln schimmern goldene Halbmonde, Kreuze und andere religiöse Symbole in der Sonne. Die Wände und Türen zieren farbenfrohe Mosaike. Meine Kamera hört gar nicht auf zu klicken, so viele schöne Fotomotive findet man hier.

Der Tempel aller Religionen ist mit vielen Mosaiken verziert

Der Tempel aller Religionen ist mit vielen Mosaiken verziert

Der Tempel aller Religionen ist aber gar kein Tempel in eigentlichen Sinne. Die vielen religiösen Elemente bestätigen zwar zunächst meine ursprüngliche Vermutung, doch die Geschichte dahinter ist eine ganz andere.

Das Bauwerk wurde weder von einer religiösen Institution noch zu religiösen Zwecken gebaut. 1992 begann der Philosoph, Künstler und Wunderheiler Ildar Khanow mit dem Bau des Tempels. Ihm habe im Traum eine Stimme geflüstert, dass er am kommenden Morgen mit dem Bau des Tempels aller Religionen beginnen solle. Der Bau dauert bis heute noch an. Es sind 16 Türme, bzw. Kuppeln geplant, die für die 16 Weltreligionen stehen sollen. Khanow betont in seinen wenigen Interviews jedoch immer wieder, dass es sich bei seinem Bauwerk nicht um eine religiöse Stätte handelt.

Gasprom on Tour :-)

Gasprom on Tour 🙂

Er sieht sein Bauwerk als überdimensionale Skulptur mit der er seine Grundüberzeugung zum Ausdruck bringen kann. Khanow ist der Meinung, dass es nur einen Gott gibt, gleich welcher Religion. Er sieht jede Glaubensrichtung als gleichwertig an, so dass er die verschiedenen Baustile der einzelnen Religionen zu einem “Gotteshaus” verschmelzen lässt. Er sieht den Tempel aller Religionen als ein offenes Haus für jeden.

Ich finde: Eine sehr interessante Geschichte und ein wirklich schönes Fotomotiv!

Ein herzliches Dankeschön an Visit Tatarstan, die mich zu dieser Reise eingeladen haben. Meine dargestellte Meinung bleibt wie immer meine eigene.

 

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4 Kommentare

  1. Diese Idee der Gleichwertigkeit aller Religionen sollten mal dringend eine ganze Menge Menschen verinnerlichen.

    Danke für den schönen Artikel!

    • Liebe Beatrice,

      Gerne 🙂
      Mir hat die Idee auch sehr gut gefallen. Generell sind die Menschen in Tatarstan sehr tolerant und offen, da könnten sich viele ein Beispiel dran nehmen.

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