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Der Ruhrtalradweg – in vier Etappen von Winterberg nach Duisburg (1/2)

Ich habe es geschafft!

Vier Tage, mehr als 230 km,  550 Höhenmeter bergauf und 1.150 Höhenmeter bergab. Glücklich und stolz stehe ich an der Rheinorange in Duisburg, wo die Ruhr in den Rhein mündet.

Noch nie war ich mehrere Tage mit dem Fahrrad unterwegs und noch nie bin ich mehr als 40 km am Stück gefahren. Aufgrund des bisher bescheidenen Wetters, war ich in diesem Jahr überhaupt noch nicht dem Rad unterwegs. Die perfekten Voraussetzungen also für eine neue persönliche Herausforderung 🙂
Natürlich begleiten mich vor solchen Herausforderungen die üblichen Gedanken. Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir das Wetter. Im Sauerland lag noch Schnee, es regnete und die Temperaturen bewegten sich Ende April immer noch im einstelligen Bereich. Schafft mein Körper eine solche Tour überhaupt? Ist mein Rad dafür geeignet? Wie sportlich ist die Gruppe? Kann ich da mithalten?

Zum Glück kenne ich mich ja, so dass ich diese Gedanken einfach beiseite geschoben habe. Ich habe da Bock drauf, der Rest wird sich zeigen – also los!

 

1. Etappe: von Winterberg nach Arnsberg – 60 km

Es ist kalt und ich bin noch müde. Ich ziehe die Vorhänge in meinem Zimmer zurück und schaue nach draußen. Tatsächlich – es liegt Schnee, Ende April. Verrückt! Wenigstens regnet es nicht wie angekündigt und der Himmel ist blau. Trotzdem kommt das Regenzeug erstmal mit ins Tagesgepäck. Melanie von simply out tours begleitet unsere Tour und erzählt beim Frühstück, dass wir uns heute viel rollen lassen können und einiges an Höhenmetern verlieren werden. Häähhh…. ich hatte bereits im Vorfeld gelesen, dass die erste Etappe einige Steigungen beinhaltet und doch sehr anstregend sei. Etwas irritiert beschließe ich mich einfach überraschen zu lassen. Tatsächlich geht es direkt zu Beginn bis zur Ruhrquelle stetig bergauf. Aber selbst für mich , die wirklich alle Art von Bergen beim Radfahren hasst, waren alle Anstiege problemlos zu bewältigen.

 

RuhrtalRadweg: Start in Winterberg bei Schnee

RuhrtalRadweg: Start in Winterberg bei Schnee

Mitten im Wald entspringt wie aus dem Nichts die Ruhr.  Es ist kaum vorstellbar, dass sich aus diesem kleinen Rinnsaal im weiteren Verlauf ein richtiger Fluss entwickelt.

Ab der Ruhrquelle führt die Strecke nun direkt am Fluss entlang. Gerade auf dem ersten Kilometern bemerkt man die Ruhr aufgrund ihrer noch geringen Größe fast gar nicht.  Und es bewahrheitet sich: wir können die Räder wirklich sehr oft einfach rollen lassen, da es oft bergab geht. Durch die einstelligen Temperaturen und den Fahrtwind kühle ich doch ein wenig aus, so dass ich froh bin durch die ein oder andere kleine Steigung wieder etwas warm zu werden.

Die Ruhrquelle

Die Ruhrquelle

Über Olsberg, Bestwig, und Meschede erreichen wir am frühen Abend Arnsberg unser erstes Etappenziel. Ich bin stolz auf mich selbst die ersten 60 km geschafft zu haben. Chacka, den Rest schaffe ich nun auch noch! 🙂

Nach dem Abendessen erwartet uns um  21 Uhr der Arnsberger Nachtwächter zu einem Rundgang der besonderen Art. Mit authentischer Kleidung, Laterne und rauer Stimme nimmt er uns mit auf eine sehr amüsante Zeitreise durch den mittelalterlichen Stadtkern. Er berichtet interessantes und kurioses über den längst ausgestorbenen Beruf des Nachtwächters sowie wissenswertes über die Stadt Arnsberg. Ein gelungener Abschluss für diesen ersten Tag.

 

2. Etappe: von Arnsberg nach Herdecke – 75 km

Ich komme erstaunlich gut aus dem Bett und auch der befürchtete Muskelkater hält sich in Grenzen. Lediglich Hunger habe ich und davon ganz viel! Also ran ans Frühstücksbuffet, um genügend Power für die längste Etappe unserer Tour zu haben. Heute fahren wir über Wickede, Fröndenberg, Schwerte und Hagen nach Herdecke. Knappe 75 Kilometer ist diese Etappe.

Mein Hintern freut sich erstmal nicht über die erneute Bekanntschaft mit dem Fahrradsattel. Nach den ersten Kilometern haben sich beide aber wieder angefreundet und das Radfahren kann ich dann tatsächlich genießen. Die Strecke ist heute zunehmend flacher und es gibt so gut wie keine Steigungen. Leider werden wir nach kurzer Zeit schon zu einer ersten Pause gezwungen: ein platter Reifen! Melanie ist zum Glück bestens vorbereitet und  so bekommen wir direkt einen kleinen Reifen-flick-Kurs.

Es geht immer an der Ruhr entlang

Es geht immer an der Ruhr entlang

Das Ruhrgebiet ist so grün!

Das Ruhrgebiet ist so grün!

Der Weg führt immer öfter direkt am Ufer der Ruhr entlang und man merkt, dass wir langsam vom Sauerland ins Ruhrgebiet kommen. Zur Mittagszeit erreichen wir Fröndenberg . Die Sonne ist inzwischen heraus gekommen, so dass wir unsere Mittagsrast bei Schnitzelbrötchen und Radler im Freien verbringen.
Bekannt ist Fröndenberg u.a. für die Fertigung von schweren Schiffsketten. Gut gestärkt bekommen wir einen Einblick in die Kettenschmiedekunst. In dem kleinen Museum ist es ist sehr warm, es fliegen Funken und es hämmert schweres Gerät. Ich bin mächtig beeindruckt, dass u.a. schwere Ankerketten seinerzeit in Handarbeit gefertigt wurden und welche körperlichen Belastungen dies mit sich brachte.

Wunderschöne Ausblicke über Wiesen...

Wunderschöne Ausblicke über Wiesen…

... und das schöne Ufer der Ruhr

… und das schöne Ufer der Ruhr

Die Hälfte des RuhrtalRadweges ist geschafft!

Die Hälfte des RuhrtalRadweges ist geschafft!

Besonders gefallen hat mir das letzte Stück der heutigen Route am Südufer des Hengsteysees entlang. Eine angenehm zu fahrende Strecke am Wasser entlang, mit Sonne und angenehmen Temperaturen – einfach herrlich!
Das sonnige Wetter nutzen wir aus und lassen den Tag gemütlich im Biergarten unseres Hotels ausklingen. Die längste Etappe unserer Tour ist geschafft und Ankommen ist auch heute wider ein absolut geniales Gefühl!

Wie es mir auf den folgenden zwei Etappen von Herdecke nach Duisburg ergangen ist?  Dazu lest ihr hier mehr!

 

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des RuhrtalRadweges wurde ich von Ruhr-Tourismus zu dieser Jubiläumsradtour eingeladen – Herzlichen Dank dafür.  Die dargestellte Meinung bleibt natürlich meine eigene.

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