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Raumfahrtstadt Bremen – Aktivitäten und Wissenswertes nicht nur für Raumfahrtbegeisterte

Bremen –  Das kleinste Bundesland ist größter deutscher Raumfahrtstandort. Grund genug für mich endlich einmal selbst in die Hansestadt zu reisen. Gemeinsam mit Jessi von fernwehundso war ich für ein verlängertes Wochenende in der Raumfahrtstadt an der Weser.

Die Raumfahrtindustrie in Bremen fertigt eine Vielzahl an Produkten und Bauteilen für weltbekannte Projekte. Hier werden u.a. die Tragflächen für die Airbusflugzeuge oder die Oberstufe der Ariane Raketen gefertigt. Ferner wurden das Weltraumlabor Columbus und das Space Lab hier in Bremen entwickelt und gebaut.

Übernachten mit Raumschiff-Feeling

Absolut passend für unsere Raumfahrtmission nächtigen wir die kommenden drei Nächte im  Ibis Styles Bremen. Schon beim Betreten der Lobby bin ich begeistert! Das Hotel ist die perfekte Unterkunft für Raumfahrtbegeisterte. In so vielen kleinen Details wird das Thema Raumfahrt aufgegriffen, einfach toll! Zudem liegt das Hotel sehr zentral und man kann alles Sehenswürdigkeiten in Bremen zu Fuß erreichen.

 

Nachdem wir eingecheckt haben, werden wir sogar beim Betreten der Fahrstühle darauf hingewiesen, dass ab hier die Schwerkraft nicht mehr wirkt.

Auf geht´s in unser Weltraumabenteuer!

 

 

Schwerelosigkeit im Fallturm

Auf den Besuch des Fallturms in Bremen bin ich besonders gespannt. Er ist Teil des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, kurz ZARM.

Der Fallturm ist ein einzigartiges Labor für Wissenschaftler aus der ganzen Welt um Experimente unter kurzzeitiger Schwerelosigkeit durchzuführen. Wir treffen Lucie, die uns heute durch den Fallturm führen wird.

 

Der Fallturm ist insgesamt 146m hoch und hat einen Durchmesser von 8 Metern. Das Gemäuer des Fallturms ist quasi nur die Schutzhülle für die eigentliche Fallröhre, welche 120 m hoch ist. Bei starkem Wind, schwankt das Gemäuer, die Fallröhre steht jedoch stabil, so dass auch bei höheren Windstärken Experimente durchgeführt werden können.

„Wart Ihr schon mal schwerelos?“ fragt uns Lucie. Wir überlegen und stellen uns die Frage, was ist Schwerelosigkeit, bzw. Mikrogravitation überhaupt? Letztendlich ist es jeder Zustand, in dem die Auswirkung der Schwerkraft nicht spürbar ist. Lasse ich mich also Abends in mein Bett fallen, bin ich kurzzeitig schwerelos. Lucie erklärt es uns an zwei Beispielen: Wenn Ihr mit einer Personenwaage unter den Füßen vom 10-Meter-Turm springt, dann würde die Waage kein Gewicht anzeigen. Denn bis auf den Luftwiderstand wirken in dem Moment keine Kräfte auf Euch. Gleiches passiert auch beim Trampolinspringen. Vom Absprung bis zur Landung auf dem Trampolin befindet ihr Euch im freien Fall. Macht Sinn und verstehen sogar wir Laien 🙂

Um tatsächlich Schwerelosigkeit zu erzeugen, wird im Fallturm zusätzlich der Luftwiderstand eliminiert. Dies geschieht, indem die Fallröhre zum luftleeren Raum wird. Ca. 2. Stunden vor dem jeweiligen Experiment saugen dafür Hochleistungspumpen die Luft aus der Röhre. Durch das entstehende Vakuum ist der Luftwiderstand so gering, dass eine sehr hohe Qualität der Schwerelosigkeit erzeugt werden kann. Wir dürfen die Vorbereitungen eines Experimentes heute live miterleben und auch die Fallröhre von Innen anschauen.

 

Eine große Herausforderung für die Wissenschaftler besteht darin Ihren Versuchsaufbau in die 2,5m hohe und nur 80 cm breite Kapsel einzubauen. Nachdem dies geschafft ist, wird die 500kg schwere Kapsel mit Gewichten austariert, damit ein geradliniger Flug erfolgen kann. Für ein „einfaches“ Fallexperiment wird die Kapsel mit Hilfe einer Seilwinde in die Spitze der Fallröhre gezogen und von dort fallen gelassen. So sind 4,74 Sekunden freier Fall möglich. Da die Kapsel am Boden in einen 8m hohen mit Styroporkugeln gefüllten Abbremsbehälter fällt, kann die Kapsel erneut für ein Experiment genutzt werden. Beeindruckend und für die Wissenschaftler natürlich super. So haben sie für ihr Experiment nicht nur einen Versuch. Benötigt ein Experiment eine längere Zeit der Schwerelosigkeit, wird die Kapsel per Katapult vom Boden in die Höhe geschossen und fällt danach wie gerade beschrieben wieder in den Abbremsbehälter. So verlängert sich der Zeitraum der Schwerelosigkeit auf 9,3 Sekunden. Zählt mal für Euch 10 Sekunden…schon eine sehr lange Zeit, oder nicht?

Nächster Stop ist die Turmspitze des Fallturms.  Auf unserem Weg nach Oben können wir das Phänomen der schwankenden Außenmauer und der fest stehenden Fallröhre selbst beobachten.  Ich muss zugeben, dass es mich schon fasziniert, zu sehen, wie sich der Abstand zwischen Röhre und Außenmauer durch den Wind, bzw. die ausgelöste Schwankung immer wieder verändert. Allerdings wird mir schon was mulmig, also konzentriere ich mich schnell wieder auf etwas anderes.

Nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug und einigen Treppenstufen,  stehen wir dann ganz oben in der Glaskuppel! Wow! Aufgrund des traumhaft klaren Wetters haben wir eine gigantische Aussicht. Hier oben könnte ich es echt länger aushalten 🙂

 

Informationen zu Öffentliche Führungen oder der Anmietung der Fallturmspitze sind auf der Besucherseite des ZARM zu finden. Außerdem hat Jessi einen sehr ausführlichen Artikel über den Fallturm geschrieben. Schaut mal bei Ihr vorbei!

Raumfahrtführung beim DLR Bremen

Das DLR ist offizielles Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland. Weltweit ist es an 20 Standorten vertreten. Nach meinen Besuchen bei der ESA in Köln und der ESTEC in Noordwijk war ich natürlich besonders gespannt auf den Besuch beim DLR in Bremen.

Hier in Bremen werden  zukünftige Raumfahrzeuge und Raumfahrtmissionen analysiert und entworfen. Die von den Ingenieuren erarbeiteten Konzepte werden auf ihre Umsetzbarkeit und Leistungsfähigkeit geprüft und hinsichtlich Ihrer Kosten bewertet. Nötige Technologien werden identifiziert und eventuell notwendige Technologieentwicklungen daraus abgeleitet. Das dient zur Analyse der eigenen Projekte, als auch zur Beratung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Vor dem Eingang treffen wir Marco Scharringhausen, der uns heute durch das Institut für Raumfahrtsysteme führt. Bereits beim Betreten des Foyers bin ich mehr als beeindruckt. Neben Modellen von verschiedenen Raumfahrtmissionen hängt unter der Decke ein großes Raketentriebwerk. Wieder ein Wow Moment!

Wow!!

Wow!!!

 

Nachdem wir die Ausstellungsstücke auf eigene Faust erkundet haben, erklärt uns  Marco uns zu jeder der Mission einige spannende Details.

Ein Projekt ist Eden ISS. Hier dreht es sich um die Aufzucht von Nutzpflanzen in geschlossenen Systemen. Das für extreme Bedingungen konzipierte Gewächshaus wurde in der Antarktis nur 400 Meter von der deutschen Neumayer-Station III errichtet. Die Antarktis gilt als ideales Testgelände für die Gemüsezucht in einem abgeschlossenen System. Ohne Erde, mit künstlichem Licht und mit recyceltem Wasser. Pestizide und Insektizide werden hierbei nicht benötigt. Das Experiment soll die Kultivierung von Nutzpflanzen in Wüsten sowie Gebieten mit tiefen Temperaturen auf der Erde, wie auch für zukünftige bemannte Missionen zu Mond und Mars demonstrieren.

Besondere Aufmerksamkeit weckt natürlich die aktuelle Mars Mission. Die Landesonde InSight startete am 5. Mai 2018 von der Erde, um mit geophysikalischen Messungen direkt auf der Marsoberfläche den inneren Aufbau und den Wärmehaushalt des Planeten zu erkunden. Der s.g. Maulwurf, der bis zu 5 m in die Marserde eindringen soll, wurde nämlich auch in Bremen entwickelt.

Am 28. Februar 2019 begann er sich in den Marsboden zu hämmern. Momentan pausiert der Maulwurf jedoch, da er vermutlich auf einen Stein gestoßen ist. Prinzipiell ist der Marsmaulwurf dafür entwickelt worden auch kleinere Steine beiseite drücken zu können, die Wissenschaftler haben sich jedoch entschieden zunächst die bisherigen Daten zu analysieren. Über dem Modell der Mission hängen drei aktuelle Bilder der Umgebung, die direkt vom Mars an die Erde gesendet wurden. Ich bin absolut fasziniert und kann es kaum glauben, dass wir tatsächlich ein Bild von einem soweit entfernten Planeten bestaunen können.

 

Nachdem wir so einiges über die verschiedenen Missionen erfahren haben, geht es weiter zum LAMA, der Lande- und Mobilitätstestanlage des DLR. In der Halle können realistische Simulationen des Aufsetzverhaltens von Landesystemen untersucht werden. Es werden Landungen am Hang oder auf unterschiedlichen Materialen simuliert, um für alle möglichen Eventualitäten während einer Mission gewappnet zu sein und eine erfolgreiche Landung zu ermöglichen.

Hier entdecken wir auch das Duplikat des Mars-Maulwurfs. Neugierig beäugen wir  das silberne Etwas. Ich hatte mir den Maulwurf größer und schwerer vorgestellt. Es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist schon der Wahnsinn hier zu sein, wo etwas, was sich aktuell in die Marsoberfläche hämmert, entwickelt wurde.

LAMA des DLR

LAMA des DLR

 

Wir setzen unseren Rundgang fort. Durch eine Scheibe erhalten wir Einblicke ins Kryo-Labor. Dort werden Experimente  u.a. mit den Treibstoffen der Trägersysteme durchgeführt. Es wird erforscht wie  sich Treibstoffe im Tank verhalten. Wie ist die Schwallwirkung z. B. beim Start oder in Schwerelosigkeit? Marco erkärt uns, dass diese Forschungsergebnisse für die Entwicklung von Raketen enorm wichtig sind.

Puhh, das sind echt jede Menge Infos, mein Kopf raucht. Aber gleichzeitig ist die Raumfahrt ein so spannendes Thema. Zudem ist es toll, Menschen zu treffen, die mit Leidenschaft von etwas erzählen, für das sie brennen. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue und ich höre solchen Menschen immer wieder mit Begeisterung zu.

Raumfahrt Führung bei Airbus

Im Jahre 1961 begann das Raumfahrtzeitalter in Bremen.  In diesem Jahr schlossen sich die Firmen Focke-Wulf, Hamburger Flugzeugbau und die Weser Flugzeugbau zusammen und gründeten den „Entwicklungsring Nord“, kurz ERNO.  Als Nachfolgeunternehmen ist Airbus bis heute ein weltweit führendes Unternehmen auf dem Gebiet des Weltraumtransportes, der bemannten Raumfahrt und der Weltraumrobotik. Viele Projekte wie die ISS, die Weltraumlabore Spacelab und Columbus, das automatische Versorgungsfahrzeug ATV und auch die Trägerrakete Ariane wurden und werden hier verwirklicht.Natürlich gehört deshalb die Raumfahrtführung bei Airbus ebenfalls zu unserem Pflichtprogramm an diesem Wochenende.

Vom Treffpunkt in der Innenstadt von Bremen werden wir mit dem Bus zum Airbusgelände gefahren. Nachdem unsere Ausweise kontrolliert wurden, befahren wir das Firmengelände.

Ein letztes Bild im Airbus, danach durften wir leider nicht mehr fotografieren.

Ein letztes Bild im Airbus, danach durften wir leider nicht mehr fotografieren.

 

Mit großer Enttäuschung erfahren wir, dass Fotografieren hier nicht erlaubt ist. Visuelle Eindrücke gibt es daher leider nicht.

Der Bus dreht eine kurze Runde über das Gelände, bevor wir schließlich vor einer großen Halle halten.  Hier schauen wir uns  Modelle des Spacelabs sowie der Ariane Rakete an. Im Anschluss folgt ein Film über die Geschichte der Raumfahrt und die Entwicklung der Firma Airbus . Der Film ist kurzweilig und tatsächlich erfahre ich an einigen Stellen noch etwas, das ich noch nicht wusste.

Bevor wir dann das Model einiger ISS Module besichtigen, kommen wir an einer langen Wand vorbei. Hier stehen eine ganze Reihe an Tabletts, die jeweils mit 1 l Milch, einer Thermoskanne und etwas Geschirr bestückt sind. Über jedem Tablett hängt ein Bild mit einem Planeten. Jetzt müssen wir selbst ran und werden aufgefordert jedes Tablett einmal anzuheben.

Auf jedem Planeten herrschen andere Kräfte und auch wenn sich auf den Tabletts die gleichen Gegenstände befinden, so wären sie auf den verschiedenen Planeten unterschiedlich schwer. Venus und Erde ähneln sich vom Gewicht und beim Jupiter ist das Tablett so richtig schwer. Echt eine interessante Erfahrung. Ich möchte gar nicht wissen, wie schwer ich selbst wohl auf dem Jupiter sein würde 😀

Jetzt geht es auf die ISS. Beim Besichtigen der ISS Module, bekommen wir einen Eindruck, wie es sein muss auf der ISS zu leben. Schlafkabinen, Toilette, Duschen und viele Schalter und Knöpfe. Irgendwie wirkt alles sehr steril und gar nicht gemütlich. Aber auch das kannte ich bereits von meinem Besuch bei der ESA in Köln. Alle anderen Besucher sind aber sichtlich fasziniert.

Wer sich also noch nie vorher mit dem Thema ISS, Columbus Modul oder Spacelab beschäftigt hat, für den ist die Führung mit Sicherheit sehr interessant. Durch meine Besuche im DLR in Köln und auch bei der ESTEC ist mir vieles bereits bekannt und nicht wirklich neu. Zudem hatten wir einen Raumfahrtingenieur in unserer Besuchergruppe, dessen Anwesenheit unseren Guide wohl leider etwas nervös machte. Bei seinen Erklärungen brachte er nämlich so einige Fakten durcheinander. Das war ein wenig schade.

Die Führung dauert ca. 2 Stunden und kann Online über Bremen Tourismus gebucht werden. Der Eintritt kostet EUR 18,50.- p.P.

Bob der Papponaut

Du hast sicherlich schon bemerkt, dass wir  nicht alleine durch Bremen gereist sind, oder ? Bob alias der Papponaut hat uns auf unserer Raumfahrtmission durch Bremen begleitet. Der kleine Astronaut hat bereits viele Orte der Welt gesehen und sein Ziel ist es einmal mindestens jedes Land der Erde zu bereisen.

Möchtest Du wissen, wo Bob schon überall war ? Oder möchtest Du ihn selbst einmal mit auf Reisen nehmen? Dann schau bei Twitter oder Instagram nach den Hashtags #papponaut und #papponautaroundtheworld oder folge dem @papponaut auf einem der beiden Social Media Kanäle 🙂

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Vielen herzlichen Dank an Maike von Bremen Tourismus,  sowie an Lucie und Marco, die uns das Thema Raumfahrt spannend und mit so viel Begeisterung näher gebracht haben. Die dargestellte Meinung ist wie immer meine Eigene.

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