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Mach et joot Kölle – Servusla Franken

Kölner Dom

Ich bin umgezogen!

Im Herbst habe ich dem Rheinland den Rücken gekehrt, um mit dem Freund gemeinsam in Franken zu leben. Wer hätte das gedacht, was? 🙂  Ich bis vor einiger Zeit in jedem Fall nicht!

Nie wollte ich eine Fernbeziehung und erst Recht nie mit einem Mann, der einen Dialekt spricht. Und unter gar keinen Umständen einem Mann aus Bayern! Ich sag es mal so: Ich hatte  Vorurteile deluxe! Aber wie immer im Leben, kommt alles ganz anders…

Es war ein Twittertreffen in Köln, an dem ich das erste Mal dem Mann aus Franken begegnete. Wir verstanden uns gut und blieben danach locker in Kontakt. Drei Monate und viele stundenlange Telefonate später, besuchte er mich erneut in Köln. Und nach diesem Besuch begann meine Pendlerkarriere.  Jedes zweite Wochenende pendelte ich fortan mit der Bahn zwischen Köln und Nürnberg.

Von Anfang an war klar, dass eine Fernbeziehung auf Dauer nicht für uns in Frage kommt. Anfangs bekundete ich auch noch sehr vehement, dass ich nie aus Köln weg ziehen würde. Das sei kein Problem konterte der Freund immer wieder. Köln sei schließlich auch schön und er könne sich einen Umzug durchaus vorstellen.

Nach zwei Monaten begleitete er mich auf „meiner“ Reise durch Norwegen. Im Nachhinein echt mutig von uns Beiden. Aber was hatten wir zu verlieren? Nichts! Und nach drei Wochen 24-stündiger Zweisamkeit in Norwegen war klar, das passt!

Das war vor ziemlich genau 3 Jahren. Fast jedes Wochenende haben wir uns gesehen. Das war absoluter Luxus in einer Fernbeziehung, aber auch eine Veränderung, die meinen ganzen bisheriger Alltag komplett durcheinander wirbelte. Einkaufen, Haushalt und Sport wurden mittlerweile in der Woche erledigt, damit am Wochenende Zeit für Zweisamkeit war.

Im Laufe der Zeit merkte ich immer mehr, dass Vieles zu Kurz kam und ich mir, meiner Familie und auch den Freunden nicht mehr gerecht wurde. Ich empfand es als zunehmend anstrengender alles immer explizit zu planen und zu organisieren. Die Spontanität blieb auf der Strecke und ich wurde zunehmend unzufriedener. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach einem gemeinsamen Alltag bei uns Beiden immer größer, so dass wir beschlossen etwas zu ändern.

 

Die Entscheidung wo wir in Zukunft leben möchten, fällten wir sehr pragmatisch. Die Wohnung des Freundes war groß genug für uns Beide und ich fühlte mich dort sehr wohl. Sostand sehr schnell fest, dass ich zu ihm nach Franken ziehen würde. In Köln eine geeignete Wohnung  inklusive neuen Job für den Freund zu finden würde da wohl eher einem 6er im Lotto gleichen.

Ein mutiger Schritt, die Heimat und den festen Job nach 15 Jahren zu wechseln. Aber irgendwie reizte mich diese persönliche Herausforderung auch sehr. Meine Abenteuerlust war geweckt.

Natürlich fiel es mir nicht leicht Familie, Freunde und Kollegen zurück zu lassen. Aber wie sagte mal eine Freundin zu mir: „Wir verabreden und jetzt auch ein paar Wochen im Voraus und planen ein Treffen. Das können wir auch weiterhin tun, eben nur mit einer längeren Anreise.“  Stimmt! Bei den Herzmenschen bin ich mir zudem sehr sicher, dass sich trotz Entfernung nichts an unserer Freundschaft ändern wird.

Die darauf folgende Zeit war spannend, aufregend und anstrengend. Die Jobsuche verlangte noch häufigeres Pendeln und alles musste noch effektiver organisiert werden. Dann endlich kam die Zusage von einem Unternehmen, für das ich mir sehr gut vorstellen konnte zu arbeiten.

Ein Wechselbad der Gefühle begann. Euphorie, Freunde, Angst, Ungewissheit, Zweifel…. Dann habe ich mir Zeit genommen und den Worst Case für mich inszeniert. Trennung, Jobverlust, was passiert mir im Fall der Fälle? Im Anschluss habe ich mich dann gefragt, wie mich dieser Schritt aber auch persönlich und beruflich weiter bringt? Nachdem ich mir die Zeit genommen hatte mir selbst diese Fragen zu beantworten, war ich mir sicher, das Richtige zu tun.

Der Tag des Umzuges rückte näher. Zuerst kam die Verabschiedung im Büro. Als ich morgens aufwachte, war ich mir sicher, gefasst durch den Tag zu kommen. Ich hätte es eigentlich wissen müssen, denn als ich das Büro betrat wartete direkt die erste Überraschung auf mich und mit ihr kamen die Tränen. Was wirklich schön war, dass ich sehr viel positives Feedback von Menschen bekommen habe, von denen ich gar dies gar nicht erwartet hatte. Das hat mich sehr glücklich gemacht.

 

Am Abend gab es dann die Verabschiedung von Familie, Freunden und den engsten Kollegen. Sehr tränenreich, anrührend und mit so vielen schönen Worten, die von Herzen kamen. Bis nachts saßen wir bei viel Kölsch und etwas leckerem zu Essen zusammen und erzählten uns die ein oder andere Anekdote.

Mit Kopfschmerzen und absolut verkatert wachte ich am darauffolgenden Tag auf. Es stand die Wohnungsübergabe und das Packen der letzten Kartons an. Als der typisch kölsche Hausmeister die Wohnung anstandslos abnahm und mich noch für den guten Zustand lobte, war es soweit. Mach et joot Köln – Ein seltsames Gefühl!

Die Fahrt nach Franken nutze ich, um die vorangegangenen Tage Revue passieren zu lassen. Ich war mir seinerzeit schon bewußt, dass es  Stolpersteine oder Heimwehattacken geben werden würde. Die Freude über die gemeinsame Zeit und das Zusammenleben überwog jedoch. Endlich können wir das tagtägliche Zusammenleben genießen!

 

Hallo Franken!

Hallo Franken!

 

Nach nun vier Monaten in Franken habe ich mich zum Großteil eingelebt. Insgesamt ist es trotzdem noch aufregend und zeitweise auch anstrengend. Der neue Job fordert mich und ich muss daran arbeiten nicht zu perfektionistisch an die Dinge heran zu gehen. Auch vermisse ich zeitweise meine Familie, Freunde und Kollegen sehr. Oft ist es auch einfach etwas Vertrautes was mir fehlt. Eine vertraute Umgebung, vertraute Menschen oder einfach ein Supermarkt, in dem ich nicht jedes Produkt suchen muss.

Hier in Franken ist ALLES neu und das habe ich tatsächlich unterschätzt. Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Tatsache so sehr fordert und auch viel Kraft kostet.

Aktuell habe ich Urlaub und diese Auszeit tut mir unheimlich gut. Ich kann einfach mal ausschlafen und nichts tun oder auch Dinge angehen, für die ich im Alltag bisher keine Zeit hatte. Das habe ich alles sehr gebraucht.

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass alles negativ ist. Das ist es nämlich ganz und gar nicht. Das Wunderbarste ist tatsächlich die gemeinsame Zeit mit dem Freund sowie die entfallende Pendelei an den Wochenenden. Das ist Lebensqualität, die mir die vergangenen Jahre echt gefehlt hat.

 

Auch für Fernwehyvi möchte ich mir in Zukunft wieder mehr Zeit nehmen! Der Fokus wird auf regionalen Abenteuern liegen. Was gibt es in Franken zu erleben? Welche Kurztrips kann ich übers Wochenende von hier unternehmen? Wo gibt es schöne Wanderstrecken? Aber auch andere Destinationen reizen mich weiterhin, denn das Fernweh hat mich noch nicht verlassen.

In diesem Sinne: Ich freue mich darauf, wenn ihr mich weiterhin virtuell begleitet und mit mir gemeinsam Franken und den Rest der Welt entdeckt!

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