Österreich, Wandern
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Alleine Wandern auf dem Lechweg – In 8 Etappen von Füssen nach Lech

Titelbild-Lechweg

 

Es ist Januar und genervt von der vorherrschenden Pandemie surfe ich durchs Netz. Ich bin auf der Suche nach einer Weitwanderung für Einsteiger. Deutschland und Österreich kommen als Ausgangspunkt in Frage. Ich möchte schöne Ausblicke, viel Natur und moderate Etappenlängen, sowie nicht zu viele Höhenmeter.

Durch Zufall entdecke ich den Beitrag über den Lechweg von Nat Worldwide und erinnere mich daran, dass ich diesem Weitwanderweg ja schon ewig einmal gehen wollte. Voller Vorfreude beginne ich mit meinem Recherchen und Planungen.

Der Lechweg

Auf 125 Kilometern folgen die Wanderer dem türkisfarbenen Lech in 6-8 Etappen. Der Weg verbindet fünf Regionen und zwei Länder und es ist naheliegend, dass der Fluss auch der Namensgeber des Lechweges ist.

Du kannst die klassische Variante von der Quelle am Formarinsee bis zum Lechfall nach Füssen wandern, oder aber Du wählst die umgekehrte Wegführung, mit etwas mehr Höhenmetern.

Der Lechweg ist bekannt für seine spektakulären Ausblicke und gilt als perfekte Tour für die erste mehrtägige Alpenwanderung. Die Wege sind gut ausgebaut und die Wegführung bestens beschildert. Zudem bietet der Lechweg eine sehr gute Infrastruktur, so dass die Etappen individuell  an die eigenen Leistung angepasst werden können. In in allen Dörfern entlang des Lechweges finden sich Unterkünfte, Gasthäuser und Bushaltestellen.

Planung und Vorbereitung

Zunächst einmal habe ich im Netz nach Etappenvorschlägen und möglichen Routen gesucht. Und dann stand auch noch die Entscheidung an, in welche Richtung ich den Lechweg laufen wollen würde.

Ich entschied mich recht schnell dafür in die Berge „hinein“ zu laufen, da es mir persönlich als erlebnisreicher erschien. Vom eher aufgeweckten Füssen mit seinen Königsschlössern in die Abgeschiedenheit der Berge mit kleinen, beschaulichen Dörfern wandern, ja das klang toll!

Herausfordernder war die Etappenplanung. Welche Strecke und wie viele Höhenmeter schaffe ich überhaupt an einem Tag? Und schaffe ich dies auch über mehrere Tage? Da ich keinerlei Erfahrung hatte, entschied ich mich für eine eher gemütliche Variante von 8 Etappen. Die einzelnen Etappen waren dabei zwischen 6 und 22 km lang und hatten nicht mehr als 600 HM.

Nun konnte ich mich an die Buchung der Unterkünfte machen. Ich habe Blogbeiträge gelesen, Reiseführer gewälzt und mir Bewertungen und Lage in den bekannten Buchungsportalen angeschaut. Daraufhin habe ich dann alle Unterkünfte vorab fest gebucht. Meine Eindrücke zu den einzelnen Unterkünften findet ihr bei den Infos zu den jeweiligen Etappen.

Da es meine erste Weitwanderung war, entschied ich mich ebenfalls für den komfortablen Gepäcktransport. Ich wollte in keinen Fall, dass mein Vorhaben Lechweg durch einen zu schweren Rucksack negativ beeinflusst wird. Daher buchte ich für EUR 11.- pro Transporttag den Gepäcktransport über die Seite des Lechweges. Es hat alles wunderbar funktioniert und bei Ankunft am jeweiligen Zielort stand mein Koffer immer schon in der Unterkunft.

Generell findet Ihr auf der Webseite des Lechwegs vielen nützliche Informationen. Ebenfalls gut bei der Vorbereitung geholfen haben mir die beiden Wanderführer von Rother* und Kompass*.

Anreise

Startpunkt meiner Wanderung war Füssen, was mit dem PKW von Erlangen über die A7 in knapp 3,5 Stunden einfach zu erreichen ist.

TIPP: Da mir das Parken in Füssen für die 8 Tage zu kostspielig war, parkte ich mein Auto auf dem P1 (Schulzentrum) in Reutte. Dieser Parkplatz ist kostenlos und liegt unmittelbar in der Nähe des Busbahnhofes. Von hier kannst Du ganz entspannt zurück nach Füssen fahren.

Da Du entlang des Lechweges keinen PKW benötigst, eignet sich ebenfalls die Anreise mit der Bahn. Je nach Startpunkt Eurer Wanderung kommen hier die Zielbahnhöfe Füssen, Reutte, Imst, St. Anton am Arlberg, Langen am Arlberg, Dornbirn oder Bregenz in Frage. Von dort geht es per Bus oder Shuttle zur gebuchten Unterkunft.

Alle Orte entlang des Lechwegs sind übrigens mit öffentlichen Bussen verbunden. Die Fahrscheine sind oft in den Gästekarten enthalten, die Ihr durch Eure Unterkunft erhaltet. Mit welcher Gästekarte Ihr welche Busverbindung nutzen könnt findet Ihr auf der Seite des Lechwegs.

Die Lechschleife „Königsschlösser“

Die Lechschleifen sind besonders für Tageswanderungen geeignet oder für die ganz Sportlichen als Erweiterung zu den normalen Lechweg-Etappen. Wenn ich schon mal in Füssen war, wollte ich natürlich unbedingt die Königsschlösser und allem voran Schloss Neuschwanstein sehen. Ferner konnte ich die Lechschleife wunderbar zum „Warm-Wandern“ und Ankommen nutzen.

Ich bringe also mein Auto am frühen morgen nach Reutte und nehme anschließend den Bus zurück Richtung Füssen. Am Walderlebniszentrum (Bushaltestelle Ziegelwies) steige ich aus und beginne meine Wanderung auf der Lechschleife.

Nach dem beeindruckenden Baumwipfelpfad steigt der Weg zunächst steil an und führt über den Alpenrosenweg. Durch den Wald schlängelt sich der schmale Pfad oberhalb des Schwansees entlang zum Alpsee. Es ist sehr warm und ich beschließe nach den ersten 6 km eine Pause zu machen und meine Füße im Alpsee zu erfrischen. Mit etwas Glück finde einen schattigen und ruhigen Platz direkt auf einem Felsen am See. Es ist wunderschön hier und dank der Pandemie sind auch nicht viele Menschen unterwegs.

Die großen Parkplätze, die Souvenirläden und Restaurants lassen erahnen, welch reger Betrieb hier normalerweise herrscht. Ich entdecke die Bushaltestelle und beschließe kurzerhand mir den Aufstieg zum Schloss Neuschwanstein über die triste Asphaltstrasse zu ersparen und stattdessen den Bus hinauf zu nehmen (Kosten EUR 2,50, Stand 2022). Dies empfiehlt übrigens auch der Wanderführer, so dass mein schlechtes Gewissen ebenfalls beruhigt ist :-)m

Die Marienbrücke ist leider gesperrt, so dass ich direkt in Richtung Schloss Neuschwanstein spaziere. Unterwegs bieten sich immer wieder tolle Aussichten auf die umliegende Landschaft, die Seen und Schloss Hohenschwangau. Und dann stehe ich vor dem Schloss Neuschwanstein – beeindruckend und schön!

Vom Schloss aus geht es auf besagter, eher langweiligen Asphaltstrasse, bergab bevor es dann wieder grüner wird. Der Weg führt nun direkt am Ufer des Schwansees entlang, der sich übrigens wunderbar für einen Sprung ins kühle Nass eignet.

Nachdem ich den morgigen Startpunkt des Lechweges, den Lechfall, passiert habe, geht es zurück in die Altstadt von Füssen.

Dort suche ich mir einen schattigen Platz im Biergarten und lasse den Tag gemütlich ausklingen. Das war auf jeden Fall schon mal ein super Start in mein Abenteuer auf dem Lechweg!

 

Unterkunft

Hotel Fantasia*: Sehr zentral gelegen, schöne Zimmer und ein gutes Frühstück 

Lechschleife Königsschlösser

Strecke 17 Km – 440 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter Lechschleife von Füssen zu den Königsschlössern 

 

 

Lechweg 1. Etappe: Füssen – Hinterbichl (Reutte)

Ich stehe am Lechfall und schaue zu, wie das Wasser die Stufen hinunterfließt. Jetzt geht es also los, ich bin aufgeregt und voller Vofreude. Mein Lechweg Abenteuer beginnt.

Die Etappe startet direkt mit ein paar Höhenmetern auf den Kalvarienberg. Am Gipfelkreuz angekommen werde ich mit einem schönen Ausblick auf Füssen belohnt. Die weiteren Kilometer  kommen mir sehr bekannt vor, da ich sie gestern bereits während der Lechschleife gelaufen bin. Ich wandere also erneut über den Alpenrosenweg bis zum Alpsee.

Am Pindarplatz, ein Aussichtspunkt am Alpsee, werfe ich einen letzten Blick auf die Königsschlösser bevor ich weiter über den schmalen Pfad zum Südlichen Ufer des Sees schlendere. Der weitere Weg führt in den Wald und windet sich mit einigen Höhenmetern über die Landesgrenze nach Österreich. Nachdem die Höhenmeter überwunden sind, lichtet sich der Wald und gibt den Blick auf die Berge frei. Wow – wunderschön! Motiviert von diesem Anblick geht es auf breiten, flachen Wegen zu meinem heutigen Etappenziel nach Hinterbichl.

 

Unterkunft

Hotel Tannenhof*: Das Hotel liegt direkt am Lechweg. Die Zimmer sind sehr modern und die Gastgeber sehr hilfsbereit. Trotz schmalem Bett im Einzelzimmer schlafe ich sehr gut auf der bequemen Matratze. An der Rezeption erhalte ich einen Flyer, wo ich abends essen kann. Fussläufig ist kein Restaurant erreichbar, daher  bestelle ich kurzerhand beim Lieferdienst, der ebenfalls auf dem Flyer erwähnt ist. I like! 

1. Etappe Lechweg: Von Füssen nach Hinterbichl (Reutte)

Strecke 22 Km – 540 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 1. Etappe Lechweg – Von Füssen nach Hinterbichl (Reutte)  

 

Lechweg 2. Etappe: Hinterbichl – Weißenbach am Lech

Die heutige Etappe beginnt mit 400 HM, die es zu bewältigen gilt. Die gute Nachricht daran: Es sind auch die einzigen Höhenmeter auf der heutigen Etappe 🙂

Zunächst steige ich vom Tannenhof den schmalen Pfad zum Frauensee hinauf. Es ist noch früh und ich genieße die Ruhe am See. Nach einem Blick auf die Wanderkarte entscheide ich mich den Forstweg bis zur Costarieskapelle zu nehmen, denn ich möchte es heute lieber gemütlich angehen. Die Alternative wäre der etwas steilere, aber kürzere, Steig gewesen. Die Kapelle ist der höchste Punkt der heutigen Etappe und ein wunderbarer Ort für ein zweites Frühstück und eine ausgiebige Pause. Ausblick ins Tal inklusive.

Der Abstieg ins Tal erfolgt über einen schmalen Steig. Der Lechweg führt im weiteren Verlauf an Wängle vorbei Richtung Höfen. Die nächsten 7 km folgt der Lechweg dem Ufer des Lechs. Bis zu meiner Unterkunft in Weißenbach am Lech empfinde ich den Weg eher als unspektakulär. Jedoch ist dieser Abschnitt sehr einfach zu gehen, da keine Höhenmeter mehr zu überwinden sind.

 

Unterkunft

Das Kreuzeck*: Modernes Apartment mit Küchenzeile. Ein MPreis Supermarkt ist direkt um die Ecke, so dass es am Abend leckere Pasta und Vino gab. Abendessen oder einen Absacker gibt es altenativ ebenfalls in der Hotelbar. Das Frühstücksbuffet war klein, aber fein. 

2. Etappe Lechweg: Von Hinterbichl nach Weißenbach am Lech

Strecke 16 Km – 380 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 2. Etappe Lechweg – Von Hinterbichl (Reutte) nach Weißenbach am Lech 

 

 

 

Lechweg 3. Etappe: Weißenbach – Stanzach -Elmen (Lechzeit)

Kurz nachdem ich Weißenbach verlassen habe, entdecke ich den smaragdgrünen Lechausee, an dessen Ufer sich schon einige Familien für ein Picknick niedergelassen haben. Schade, dass ich keine Badesachen dabei habe, sonst hätte ich einen Sprung ins kühle Nass gewagt.

Der Weg führt mich heute unentwegt am Ufer des Lechs entlang. Es ist heiß und ich merke, wie kühlend der Lech ist, sobald ich in die Nähe des Ufers komme. Wirklich faszinierend.

Ich bin selbst überrascht, als ich noch vor Mittag in Stanzach ankomme. Erstmal eine kurze Rast einlegen und die Karte studieren. Spontan entscheide ich mich noch ein Stück weiterzuwandern, und dann am Nachmittag mit dem Bus zurück nach Stanzach zu fahren.

War die bisherige Strecke heute eher flach und eintönig, forderte mich der Weg ab Vorderhornbach körperlich und auch mental. Der Tag heute ist erneut sehr heiß und schwül, was mir bisher wenig Probleme bereitete.

Pünktlich zur Mittagshitze erwartet mich eine steile Steigung auf einem Wiesenhang ohne Schatten. Schon nach kurzer Zeit pocht mein Herz bis in den Kopf. Ich kühle mich immer wieder mit dem Wasser aus meinen Trinkflaschen und merkte das ein wenig Angst in mir aufstieg. Ich bin zwar allein, aber nicht mitten im nirgendwo, so dass ich mich selbst mit einigen tiefen Atemzügen beruhigen kann. Als der Anstieg geschafft ist, weht mir oben ein angenehm kühler Wind entgegen. Zudem erwartet mich eine riesige Hollywoodschaukel mit einem schattenspendenden Dach darüber. Ich nehme Platz und sitze einfach nur dort, genieße die Aussicht und lasse meine Gedanken schweifen. Oft sind es doch die kleinen Dinge, die glücklich machen 🙂

Der weitere Verlauf des Weges ist wirklich schön, doch machen mir Schwüle und Hitze immer mehr zu schaffen. Diesen Umstand hatte ich tatsächlich nicht bedacht. Gut, dass die kühlen Quellen am Wegesrand immer wieder für die nötige Abkühlung sorgen.

Als der Wegweiser zum Hotel und Restaurant Lechzeit am Wegesrand auftaucht, merke ich die große Erleichterung gleich am Ziel zu sein. Mit einem großen Eis belohnte ich mich für die Anstrengungen dieser Etappe.

 

Unterkunft

Hotel Waldhof*: Einfache Zimmer, super nette Gastgeber und ein gutes Frühstück. Es gibt mehrere Gasthöfe in Stanzach zum Abendessen. 

3. Etappe Lechweg: Von Weißenbach am Lech nach Elmen

Strecke 22 Km – 380 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 3. Etappe Lechweg – Von Weißenbach am Lech nach Elmen (Lechzeit) 

 

 

 

Lechweg 4. Etappe: Elmen – Elbigenalp

Schon am Abend hatte ich festgestellt, dass sich an meinen Füßen Blasen gebildet haben. Nachdem ich zunächst zögerte, stach ich diese am Morgen auf und spürte sofort, dass die Schmerzen nachließen. Blasenpflaster drauf, Tape drumherum und wieder rein in die Wanderschuhe. Auch wenn es zwickte, so war es auszuhalten.

Da ich am Vortag bereits einen Teil der heutigen Etappe gewandert bin, fahre ich zunächst mit dem Bus wieder Richtung Elmen. Erneut geht es heute stets am Ufer des Lechs entlang. Einerseits   eher eintönig, aber ich bin auch froh, dass ich heute nach bereits 6 km am Ziel in Elbigenalp ankomme. Der Vortag steckt mir doch noch in den Knochen. Der Kirchenglocken schlagen 12 Uhr, so dass im Biergarten des Schwarzen Adlers einkehrte und mir einen erfrischenden Salat und ein Radler schmecken ließ.

Den Nachmittag verbringe ich mit einem Buch im Garten meiner Unterkunft und mache ein ausgiebiges Mittagsschläfchen. Für den restlichen Tag tausche ich die Wanderschuhe gegen meine Birkis. Meine Füsse freut es sehr und etwas Ruhe ist genau das, was ich und mein Körper heute brauchen.

Zum Abendessen habe ich mir den Gasthof Stern ausgesucht. Absolut leckeres Essen und ein schöner Biergarten.

Unterkunft

Haus Walch* – Gemütliche Unterkunft mit renovierten Zimmern. Im Erdgeschoss wohnte noch die Oma des Hauses. Zimmer sind im 1. OG. Das urige Haus ist sehr hellhörig, was mich aber nicht gestört hat. Super Frühstück von der Inhaberin selbst zubereitet. 

4. Etappe Lechweg: Von Elmen nach Elbigenalp

Strecke 6 Km – 50 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 4. Etappe Lechweg- Von Elmen (Lechzeit) nach Elbigenalp 

 

 

Lechweg 5. Etappe: Elbigenalp – Holzgau -Steeg

Von Elbigenalp geht es zunächst durch die Lechauen. Und dort verlaufe ich mich tatsächlich das erste Mal auf meiner Weitwanderung. Zum Glück bemerke ich sehr schnell, dass der Lechweg nicht mehr ausgeschildert ist und kehre um. Zurück auf dem richtigen Weg geht es ohne anstrengende Höhenmeter über wunderschöne Wiesen- und Waldwege sowie schmale Wurzelpfade.

Nach 8 km erreiche ich die Talstation der Jöchelspitzbahn. Mit der AktivCard, die ich von meiner Unterkunft erhalten habe, ist die Gondelfahrt für mich kostenlos. Also rein in die Gondel und hinauf. Oben angekommen drehe ich eine kleine Runde und genieße anschließend ein kaltes Radler im Liegestuhl bei strahlendem Sonnenschein. Das Leben ist schön!

Da heute noch 12 km auf mich warten, mache ich mich kurz nach Mittag wieder auf den Weg. Es geht am Lech entlang und dann über schöne Panoramawege und Holzstege.  Wiedermal sind beste Aussichten ins Tal inklusive.

Kurz vor Holzgau erwartet mich ein weiteres Highlight dieser Etappe. Die 200 Meter lange und knapp 100 Meter hohe Hängebrücke über die Höhentalbachschlucht. Was ich vorher nicht vermutet hätte, eine sehr wackelige Angelegenheit. Ich muss zugeben, dass ich froh bin, als ich die andere Seite erreicht habe. 🙂

Da das Wetter richtig schön ist und die Etappe unheimlich schön ist bisher, entschließe ich mich weiter bis nach Steeg zulaufen. Die Strecke ist flach und führt erneut direkt am Lech entlang. Wie bereist zuvor nehme ich von Steeg einfach den Bus zurück nach Holzgau.

 

Unterkunft

Alpdeluxe Hotel* – Moderne Apartmentzimmer mit Küchenzeile und kleiner Terrasse. Mega schöner Wellnessbereich, den ich bei sommerlichen Temperaturen nicht genutzt habe. Frühstück wird am Abend vorher bestellt und in Körben zum Verzehr auf dem Zimmer bereit gestellt. Alles mit sehr viel Liebe gemacht. Wlan war leider während meines Aufenthaltes immer wieder unterbrochen. 

5. Etappe Lechweg: Von Elbigenalp nach Holzgau - Steeg

Strecke 20 Km – ca. 600 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 5. Etappe Lechweg – Elbigenalb – Holzgau -Steeg (inkl. Gondel Jöchelspitze) 

 

 

 

Lechweg 6. Etappe: Steeg – Warth

Der Bus bringt mich am Morgen wieder nach Steeg. Gestartet wird heute an der Naturkäserei Sojer.

Hinter Prenten biegt der Lechweg auf die alte Lechtalstrasse ab. Zunächst steigt der Weg über eine alte Asphaltstrasse an. Später wandelt sich der Weg in einen breiten Forstweg, der sich mit vielen Kehren nach oben schlängelt. Mit 4 km Länge ist es glaube ich der längste Anstieg bisher. Zum Glück ist es seit gestern nicht mehr so schwül, so dass ich den Anstieg gut bewältige. Zwischendurch gibt es immer wieder schöne Ausblicke in die umliegende Bergwelt.

Nachdem der Anstieg geschafft ist, wird der Lechweg wieder naturnaher und schmaler. Ich entdecke eine Bank in der Sonne und mache eine kurze Rast, um die Ruhe und die Aussicht in mich aufzusaugen. Erneute begegne ich einem Paar, welches ich bereits ein paar Tage zuvor getroffen habe. Wir plaudern ein wenig und vereinbaren ein Kaltgetränk, sollten wir uns noch ein Drittes Mal treffen.

Als ich Lechleiten passiere, erkenne ich in der Ferne schon die Kirche von Warth. Zu früh freue ich mich mein Ziel erreicht zu haben. Denn der Weg nach Warth fällt zunächst nochmal ab, um dann nach Warth wieder aufzusteigen. Es liegen nämlich noch 4 km vor mir.

In Warth angekommen kehre ich im Alten Sennhaus ein. Mit Genuss esse ich ein großes Schnitzel mit Pommes. Immer wieder stelle ich amüsiert fest, was für einen wahnsinnig großen Appetit ich nach solch einem fordernden Wandertag habe.

Am späten Nachmittag beginnt es in Strömen zu Regnen und es zieht ein heftiges Gewitter auf. Schön, dass ich es mir bereits mit Netflix in meinem Hüttenzimmer gemütlich gemacht habe.

 

Unterkunft

Hüttenzimmer Wäldemetzge* – Die aus hellem Holz gestalteten Hüttenzimmer sind zweckmäßig mit Stockbetten ausgestattet. Zimmer, Gemeinschaftsbad und der kleine Wellbnessbereich waren super sauber.  Das deftige Essen und auch das Frühstück mit der „Imbiss-Atmosphäre“ haben mir nicht so gut gefallen. Aber es gibt weitere Möglichkeiten in Warth Essen zu gehen. Die Zimmerpreise sind in jedem Fall unschlagbar! 

6. Etappe Lechweg: Von Steeg nach Warth

Strecke 16 Km – ca. 580 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 6. Etappe Lechweg von Steeg nach Warth 

 

 

Lechweg 7. Etappe: Warth – Zug (Lech am Arlberg)

Bereits das erste Stück des Weges ist heute herausfordernd. Es geht über einen schmalen mit Wurzeln durchzogenen Pfad hinab zum Ufer des Lechs. Durch den gestrigen Regen ist alles aufgeweicht und rutschig. Mit Vorsicht und voller Konzentration bei jedem Schritt ist der Teil aber dann doch geschafft und es geht auf einem kleinen, gut begehbaren Forstweg weiter die Lechschlucht hinab.

Nachdem ich den Lech gequert habe, geht es über einen Wiesenweg wieder hinauf. Die Aussicht wird immer schöner und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Bei Komoot habe ich gelesen, dass dieses Wegstück an die Rocky Mountains erinnert. Auch wenn ich noch nie dort war, der türkisfarbene Lech, die schroffen Felsen und die vielen Nadelbäume erinnern auch mich irgendwie an Kanada.

Nachdem ich die idyllischen Almwiesen hinter mir gelassen habe, wartet erneut eine kleine Herausforderung. Es gilt ein vereistes Schneefeld zu durchqueren. Na super, nach meinem Sturz im Fichtelgebirge habe ich großen Respekt vor vereisten Stellen! Durchatmen, Weg visualisieren und los. Im Nachhinein gar nicht so schlimm, aber Vorort hat es mich mental irgendwie doch gefordert. Im weiteren Verlauf windet sich der Lechweg über viele Naturstufen hinauf, bis schließlich der höchste Punkt der heutigen Etappe erreicht ist. Auf dem letzten Stück Lechweg  wird der Weg wieder breiter und führt hinab nach Lech.

Vom Ortskern in Lech folge ich dem Ufer des Lechs bis nach Zug, wo ich meine letzte Unterkunft am Nachmittag erreiche. Im Burgis werde ich als erster Gast nach 9 Monaten Pandemie wahnsinnig herzlich empfangen.

Zum Abendessen spaziere ich ins Gasthaus Alphorn. Das Gasthaus ist urgemütlich und das Essen super lecker. Ganz besonders macht diesen Abend, das aufziehende Gewitter. Ein Großteil der Gäste verweilte aus diesem Grund noch etwas länger in der Gaststube. Ich komme so mit dem Ehepaar am Nachbartisch ins Gespräch und genieße nach der „Einsamkeit“ der letzten Tage das nette Gespräch. Zurück im Burgis falle ich nach drei Gläsern Wein beseelt in mein Bett und freue mich auf die bevorstehende letzte Etappe des Lechwegs.

 

Unterkunft

Burgis* – Eine Traumunterkunft mit einer unheimlich herzlichen Gastgeberin.  Die Zimmer sind super modern ausgestattet. Es gibt eine Trustbar, in der man sich selbst Getränke nehmen kann und die wirklich wie eine professionelle Bar ausgestattet ist. Auch das Frühstück am langen Esstisch mit Blick auf die Berge ist einfach nur toll. Hinzu kommt die Liebe für die kleinen Dinge, mit denen ich wähnend meines Aufenthaltes überrascht wurde. Alles in allem wäre ich sehr gerne noch länger geblieben. 

7. Etappe Lechweg: Von Warth nach Zug (Lech am Arlberg)

Strecke 15 Km – ca. 370 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 7. Etappe Lechweg – von Warth nach Zug (Lech am Arlberg) 

 

 

Lechweg 8. Etappe: Vom Formarinsee nach Zug

Heute wird geschummelt 🙂 Das Wetter sieht heute eher grau aus, so dass ich mich entscheide von Zug aus mit dem Bus zum Formarinsee zu fahren. Sprich ich starte heute vom Formarinsee und laufe zurück nach Zug.

Da ich die Lechcard besitze, spare ich mir die 20 € Fahrpreis (inkl. Mautgebühr) für den Wanderbus zum See. Die Busfahrt ist kurzweilig und als ich am Formarinsee aussteige beginnt es zu schneien. Statt direkt Richtung Tal zu wandern, gehe ich Richtung Formarinsee und steige zur Freiburger Hütte hinauf. Dort angekommen ist es noch zu früh für eine Pause, so dass ich über den schmalen Pfad oberhalb des Sees zurück Richtung Bushaltestelle laufe. Zwischendurch schaue ich immer wieder zur Roten Wand, die genau gegenüber liegt. Eine mega beeindruckende Aussicht.

Hinweis: Der Pfad oberhalb des Sees ist mit einem Schild versehen „Nur für Geübte. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sollten in jedem Fall vorhanden sein auf dem schmalen und teils rutschigen Pfad. Außerdem sind auch ein paar kleinere Felsen zu überklettern.

Nachdem ich zurück an der Bushaltestelle bin, begegne ich erneut dem sympathischen Paar von Etappe 6. Ein Kaltgetränk gibt es leider nicht, aber alle Drei sind wir sehr amüsiert über unser Wiedersehen. Nachdem ich die Bushaltestelle hinter mir gelassen habe, geht es auf leichten Bergwegen vom Lechquellgebiet hinab ins Tal. Mein ständiger Begleiter ist das Rauschen des Lechs. Der Weg ist gut zu gehen und eigentlich fehlt mir nur die Sonne zum perfekten Glück. Aber ich will mich nicht beschweren, denn schließlich bin  ich die letzten Tage mit Sonne pur verwöhnt worden.

Ab dem  Zusammenfluss von Spullerbach und Formarinbach führt der weitere Weg über viele Holzstege. Das macht die Etappe sehr abwechslungsreich. Kurz bevor ich den Ortsteil Zug erreiche erhasche ich wunderschöne Ausblicke in das Lechtal und den gleichnamigen Fluss, den Lech.

Die letzten Meter nehme ich nochmal ganz bewußt und mit etwas Wehmut wahr. Ich habe es geschafft: 135 km und 3.200 HM – Whoop! Whoop! Ich bin mega stolz auf mich und genieße dieses unheimliche Glücksgefühl in vollen Zügen.

Mein Hochgefühl hält an und ich belohne mich selbst mit einem Abend im Achtele Weinrestaurant. Mit einem Glas Prosecco stoße ich mit mir selber an und genieße danach ein fantastisches Essen, bestehend aus Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise. Beseelt vom Wein und dem guten Essen gehe ich an diesem Abend geschafft, aber überglücklich ins Bett.

 

Unterkunft

Burgis: siehe oben 

8. Etappe Lechweg: Vom Formarinsee nach Zug

Strecke 14 Km – ca. 100 HM

Alle Infos und die genaue Route findest Du bei Komoot unter 8. Etappe Lechweg – Vom Formarinsee nach Zug 

 

 

Fazit

Mega! Genial! Fantastisch! Ich bin so froh, dass ich mich an mein Vorhaben den Lechweg zu Wandern erinnert habe und dann auch wirklich den Lechweg gegangen bin. Wenn ich an die Erlebnisse auf dem Lechweg zurück denke, muss ich unweigerlich lächeln.  Es war eine unvergessliche Zeit für mich. Viele Ausblicke, Momente der Ruhe, ganz bei mir sein, aber auch Momente in denen ich geflucht habe, mein Knie zwickte oder die Blasen an den Füssen mich quälten. Aber das gehört eben auch dazu und es macht mich reicher an Erfahrung.

Ich stelle fest, dass ich nach solchen Wandererlebnissen meist mental gestärkt und voller positiver Energie zurück in den Alltag kehre. So ein Weg macht etwas mit einem und mir fällt es unheimlich schwer das in Worte zu fassen. Wer diese Momente und Gefühle schon selbst erlebt hat, der weiß bestimmt, was ich meine.

Natürlich stellte man mir daheim umgehend die Frag nach der schönsten Etappe. Meine Lieblingsetappen waren die Etappen 5-7. Tolle Aussichten, schöne Bergwege und sehr abwechslungsreich.

Was habe ich auf meiner ersten Weitwanderung gelernt?

Zukünftig würde ich definitiv auf den Gepäcktransport verzichten oder wesentlich weniger Gepäck mitnehmen. Ich hatte viel zu viel eingepackt! Eine Minimalausstattung hätte gereicht.

Aufgrund der gemachten Erfahrungen kann ich nun auf der nächsten Weitwanderung die für mich machbaren Etappenlängen und Höhenmeter besser einschätzen. Das hilft mir bei zukünftigen Planungen enorm weiter. Denn gerade die Planung der einzelnen Etappen und die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, war zu Beginn doch eine der größten Herausforderungen.

Alles in allem stimmt es, dass der Lechweg besonders für Weitwander-Einsteiger sehr gut geeignet ist. Daher wage dieses Abenteuer, Du wirst es mit Sicherheit nicht bereuen.

 

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